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Rettungsschiff „Alan Kurdi“ : Deutsche Seenotretter warten weiterhin auf Einfahrtserlaubnis

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Eine Rettungsaktion des Schiffes „Professor Albrecht Penck“ im Dezember 2018, welches ebenfalls für die Organisation Sea-Eye im Mittelmeer Patrouille fährt. Bild: EPA

Italien und Malta weigern sich, das Schiff der deutschen Hilfsorganisation einlaufen zu lassen und fordern Deutschland auf, als Flaggenstaat die Zuständigkeit zu übernehmen. An Bord befinden sich 64 Menschen.

          Die italienische Regierung hat Deutschland aufgefordert, die Verantwortung für das Schiff einer deutschen Hilfsorganisation mit geretteten Migranten an Bord zu übernehmen. Die „Alan Kurdi“ der Regensburger Organisation Sea-Eye hatte Mitte der Woche im Mittelmeer 64 Migranten aufgenommen und wartet vor der Küste der Insel Lampedusa weiter auf die Einfahrterlaubnis in italienische Gewässer. Malta sowie Italien waren um Angabe eines sicheren Hafens gebeten worden. Laut italienischen Medienberichten (Freitag) befindet sich die „Alan Kurdi“ derzeit etwa 15 Seemeilen südöstlich der Insel, also vor der Zwölfmeilenzone um Lampedusa.

          Das Schiff dürfe nicht in italienische Hoheitsgewässer fahren, ein Verstoß dagegen gefährde die nationale Sicherheit, hieß es am Donnerstag in dem Brief des Außenministeriums an den deutschen Botschafter in Rom. Es sei Aufgabe des Flaggenstaates, dafür zu sorgen, dass das Schiff die Vorschriften einhalte.

          Die „Alan Kurdi“ fährt unter deutscher Flagge. Sie habe Kurs auf die italienische Insel Lampedusa genommen, erklärte Sea-Eye. Die Einsatzleitung sei im engen Austausch mit dem Auswärtigen Amt in Berlin. An Bord sind auch zwölf Frauen, ein Kind und ein Baby. Hinzu kommen 17 Crewmitglieder. „Der „Alan Kurdi“ steht eine Odyssee unbekannter Dauer bevor“, heißt es in der Mitteilung. Auch Malta will das Schiff nicht anlegen lassen.

          Damit zeichnet sich erneut ein politisches Tauziehen um die Verantwortung für Migranten ab, die im Mittelmeer aus Seenot geborgen wurden. Italien hatte wie Malta NGOs in den vergangenen Monaten immer wieder das Anlegen ihrer Schiffe mit geretteten Migranten verwehrt. Teilweise wurden sie tagelang im Mittelmeer blockiert, bis eine Verteillösung mit anderen europäischen Staaten für die Geretteten gefunden wurde. Auf einen langfristigen Mechanismus dafür können sich die EU-Staaten seit Jahren nicht einigen.

          Nachdem die Organisation Pro Asyl Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufgerufen hatte, „über seinen Schatten zu springen und aktiv zu werden, um das unwürdige Geschachere um die Rettung von Menschenleben im Mittelmeer zu beenden“ will Deutschland einen Teil der Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff "Alan Kurdi" nun aufnehmen. Die Bundesregierung setze sich für eine "schnelle und humanitäre Lösung" für die aus Seenot geretteten Menschen im Mittelmeer ein, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag in Berlin. Sie erwarte dabei auch von anderen EU-Mitgliedsstaaten, dass sie einen Beitrag bei der Aufnahme leisten.

          Nach Angaben von Sea-Eye erklärte sich Italien am Freitagnachmittag bereit, zwei Kinder und deren Mütter "aus humanitären Gründen" von Bord zu bringen. Die Hilfsorganisation legte dagegen Protest beim Auswärtigen Amt ein. Die Mütter und Kinder von ihren Vätern zu trennen sei "emotionale Folter". Das Auswärtige Amt in Berlin wolle nun "noch einmal mit den Italienern sprechen".

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