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Republikaner in Amerika : Cain, der Gottesfürchtige

  • -Aktualisiert am

Republikaner Herman Cain: „Wenn du etwas willst, dann arbeite hart genug“ Bild: AFP

Herman Cain will ins Weiße Haus. Er beschimpft Schwarze und setzt auf seinen Humor. Unter acht republikanischen Kandidaten liegt er momentan an erster Stelle.

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          Hat er überhaupt eine Chance? Und wenn nein, warum ist er dennoch so erfolgreich? Herman Cain, 65 Jahre alter Unternehmer, Motivationsredner und Radiomoderator aus Atlanta in Georgia, liegt in den Umfragen an erster Stelle unter den acht republikanischen Präsidentschaftskandidaten.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Er hat den bisherigen Spitzenreiter Mitt Romney, der schon als unausweichlicher, weil beständigster Kandidat galt, um vier Prozentpunkte überflügelt und kommt jetzt auf stattliche 25 Prozent Zustimmung unter potentiellen republikanischen Wählern. Er ist der amtierende Liebling der konservativen Stammwähler und der "Tea Party".

          Der Nichtpolitiker unter den Kandidaten

          Gewiss, das hat gut drei Monate vor den innerparteilichen Vorwahlen in den Bundesstaaten Iowa und New Hampshire noch nicht viel zu sagen. Zuletzt waren auch die Abgeordnete Michele Bachmann aus Minnesota und der texanische Gouverneur Rick Perry kurz nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur in der republikanischen Wählergunst emporgeschossen - und bald darauf wieder weit zurückzufallen. Außerdem müssen die Kandidaten, die sich in bisher acht Fernsehdebatten gestritten haben, noch vierzehn weitere bestehen. Da lauert manches Missgeschick.

          Bisher kein Fehltritt: Cain bei einer Fernsehdebatten mit dem Republikaner Ron Paul (links)

          Doch Herman Cain ist nicht als Spätstarter ins Rennen eingestiegen. Er hat schon im Januar als einer der Ersten signalisiert, dass er sich ums Präsidentenamt bewerben will. Und bisher haben keine verbalen Ausrutscher den steten Aufstieg vom unbekannten Außenseiter zum ernstzunehmenden Konkurrenten gebremst. Anders als seine sieben Mitbewerber hat Cain noch nie ein gewähltes öffentliches Amt bekleidet: Er ist der Nichtpolitiker unter den Kandidaten, und mit diesem Pfund wuchert er gekonnt. Er stellt seinen Erfolg als Unternehmer in den Vordergrund und verspricht, als Präsident der Vereinigten Staaten für sein Land zu erreichen, was ihm einst als Chef der Pizzakette "Godfather's" gelang: die Wende vom Bankrottkandidaten zur kerngesunden Führungsmacht.

          Rassentrennung am eigenen Leib erlebt

          Der Aufstieg des schwarzen Republikaners Herman Cain hat vor allem das linke Establishment der "African Americans" aufgebracht. Denn in seinen Reden und zumal in seinem Buch "This Is Herman Cain!" - halb Autobiographie, halb Bewerbungsschreiben fürs Weiße Haus - bricht der sendungsbewusste und gottesfürchtige Politiker alle Tabus des politischen und akademischen Diskurses der schwarzen Präzeptoren. Heute werde in Amerika niemand mehr vom Rassismus nennenswert an Fortkommen und Erfolg gehindert, sagt Cain.

          Er führt sich selbst, der in ärmlichen Verhältnissen im Süden aufwuchs und die Rassentrennung der sechziger Jahre am eigenen Leib erlebte, als Beispiel an. Als er 1963 die Schule abschloss und sich aufs College vorbereitete, habe sein amerikanischer Traum darin bestanden, irgendwann einmal ein Jahresgehalt von 20.000 Dollar zu erreichen. Heute wird Cains Vermögen auf sieben Millionen geschätzt.

          „Du kannst es schaffen!“

          Cain, der schwarze Kandidat, scheut sich nicht, auch mit den Schwarzen hart ins Gericht zu gehen. Die meisten Schwarzen glaubten wegen der "Gehirnwäsche" durch die Demokratische Partei noch immer an das Märchen, dass mehr staatliche Hilfe ihnen aus der Misere helfen werde, hält er ihnen vor. Er aber habe von seinem Vater gelernt, "sich niemals als Opfer zu fühlen", denn mit harter Arbeit könne man alles erreichen.

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          Zu viele Schwarze benutzten den Vorwurf des fortbestehenden Rassismus als Ausrede für ihr persönliches Scheitern oder sogar dafür, sich erst gar nicht anzustrengen, sagt Cain. Und in seinem Buch schreibt er: "Meine Eltern sagten uns nicht, dass uns die Regierung etwas schuldig sei. Sie lehrten uns nicht, auf unser Land zornig zu sein. Vielmehr sagten sie uns: Wenn du etwas willst, dann arbeite hart genug, konzentriere dich darauf, und was glaubst du, was dann geschieht? Du kannst es schaffen!"

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