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Zweiter Weltkrieg : Last der Geschichte

Deutsche Kriegsverbrechen in Polen: SS-Leute kontrollieren gefangene jüdische Bewohner des Warschauer Ghettos während des Aufstands 1943. Viele werden danach erschossen, andere in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und umgebracht. Bild: dpa

Kein Land musste mehr unter der deutschen Besatzung leiden als Polen. Doch im Sinne Europas müssen die Belastungen der Vergangenheit überwunden werden. Die Rhetorik aus Warschau bewirkt das Gegenteil.

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          Angesichts der Ungeheuerlichkeit der Verbrechen, die während des Zweiten Weltkriegs von Deutschen in Polen begangen worden sind, ist es schwierig, eine sachliche Debatte über die polnischen Reparationsforderungen zu führen. Das nationalsozialistische Deutschland hat Polen zum schlimmsten Tatort des Mordes an den europäischen Juden gemacht; es hat dort einen rücksichtslosen Krieg auch gegen die polnische Zivilbevölkerung geführt, der in vielem der Definition von Völkermord entspricht, die in der UN-Konvention gegen Genozid von 1948 niedergelegt ist. Was zwischen 1939 und 1945 in Polen geschah, wurde von Historikern detailliert beschrieben – aber es übersteigt dennoch jede Vorstellungskraft. Jede Antwort, die Forderungen nach Schadenersatz für die Verluste und Leiden Polens während der sechs Jahre deutscher Besatzung kühl und ausschließlich mit rechtlichen Argumenten zurückweist oder auch nur relativiert, wirkt daher zumindest unangemessen.

          Aber die deutsche Regierung muss sich gegen die Forderungen aus Warschau auch juristisch zur Wehr setzen. Täte sie es nicht, öffnete sie Tür und Tor für ähnliche Forderungen aus anderen Ländern – Polen war ja nicht das einzige Opfer der nationalsozialistischen Aggression. Angesichts dessen, was das Deutsche Reich während des Zweiten Weltkriegs fast überall in Europa angerichtet hat, könnte die Aufrechnung alten Leids selbst ein wirtschaftlich so starkes Land wie die Bundesrepublik vollkommen überfordern. Hinzu kommt: Eine gemeinsame europäische Politik, eine gemeinsame europäische Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft würden unmöglich, wenn die Tagesordnung von den Taten der Vergangenheit diktiert würde.

          Damit wäre niemandem gedient, auch Polen nicht, das von der europäischen Einigung im vergangenen Vierteljahrhundert stark profitiert hat. Der Prozess der europäischen Einigung ist eine Antwort auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Und es ist unbestritten, dass Deutschland eine besondere historische Verantwortung trägt. Doch es geht darum, die Belastungen der Vergangenheit zu überwinden, um so den Frieden in Europa zu sichern. Mit der Rhetorik der gegenwärtigen polnischen Regierung wird das Gegenteil erreicht – zum Schaden aller.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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