https://www.faz.net/-gpf-9pmsz

Religion in China : Halal darf nicht mehr halal heißen

Eine Feier der Kommunistischen Partei in China Bild: dpa

Islamische Metzgereien und Restaurants in Peking müssen die arabischen Schriftzüge von ihren Fassaden entfernen. Es ist nur ein weiterer Schritt zur Unterwerfung der Religionsgemeinschaften unter das Diktat der Partei.

          1 Min.

          Chinas Kampagne zur „Sinisierung“ des Islam ist nun auch in der Hauptstadt Peking angekommen. Zahlreiche Restaurants und Geschäfte, die „Halal“-Fleisch und andere Nahrungsmittel anbieten, seien aufgefordert worden, arabische Schriftzüge und islamische Symbole wie den Halbmond von ihren Fassaden zu entfernen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Ein Restaurantmanager sagte der Agentur, die Behörden hätten ihm erklärt, es handle sich dabei um „ausländische Kultur“ und er solle künftig „mehr chinesische Kultur“ präsentieren.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          In anderen Teilen des Landes gibt es solche Vorgaben schon länger. Im vergangenen Jahr war in der Region Ningxia der Fluss Aiyi umbenannt worden, weil Aiyi in den Ohren mancher zu sehr an Aischa, eine der Frauen des Propheten Mohammed, erinnerte. Der Fluss heißt nun Diannong. In Ningxia leben viele Muslime der Hui-Minderheit, die zu Zeiten der alten Seidenstraße islamisiert wurden. Selbst in einem Freizeitpark in der Provinzhauptstadt Yinchuan, der vor wenigen Jahren gezielt in Anlehnung an arabische Architektur gebaut wurde, um Touristen aus der arabischen Welt anzulocken, wurden die arabischen Schriftzüge und islamischen Symbole inzwischen überklebt oder übermalt.  

          Nächstes Projekt: Die Bibel

          Anfang dieses Jahres waren Richtlinien „zur Sinisierung des Islam“ beschlossen worden, wonach dieser innerhalb von fünf Jahren mit den Werten des Sozialismus in Einklang zu bringen sei. Ähnliche Pläne gibt es für das Christentum. Die Kommunistische Partei hat Theologen damit beauftragt, die Bibel chinesischer zu machen und mit den Werten des Sozialismus in Einklang zu bringen. Welche Inhalte der Bibel dies betreffen könnte, ist aber unklar.

          Besonders schmerzlich für die Religionsgemeinschaften ist das Verbot, Minderjährige über die Inhalte der Religion zu unterrichten. Koranschulen sind ebenso Tabu wie Konfirmandenunterricht. In manchen Teilen des Landes wurden Kreuze von Kirchtürmen montiert und Minarette zerstört. Anderswo wurden ganze Kirchen und Moscheen abgerissen.

          Dahinter steht der Kontrollwahn der Kommunistischen Partei, die religiöse Gemeinschaften mit kulturellen Verbindungen ins Ausland als potentielle Gefahr für ihren Machterhalt betrachtet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bild aus besseren Zeiten: Erdogan und Macron am 19. Januar 2020 in Berlin

          Erdogan teilt aus : Boykott und Pöbelei

          Frankreich will auch nach der Ermordung von Samuel Paty Karikaturen des islamischen Propheten zeigen. Der türkische Staatschef Erdogan reagiert entsetzt und teilt aus.
          Auf weiter Flur: Der Großeinsatz rund um den Dannenröder Forst ist nicht der einzige, der die hessische Polizei derzeit stark in Anspruch nimmt.

          Hessische Polizei : Am Rande der Erschöpfung

          Die hessische Polizei wird in den nächsten Wochen noch stärker gefordert als ohnehin schon. Gleich drei Großlagen lassen kaum Erholung zu: der Protest gegen die A 49, Corona und Atomtransporte.
          Wer die Zeit und das Geld hatte, hat sich in diesem Sommer gerne im eigenen Pool gesonnt.

          Vermögensvergleich : Wie reich sind Sie wirklich?

          Neue Zahlen zeigen, wie sich das Vermögen der Deutschen über das Leben entwickelt. Schon mit einem abbezahlten Haus und einer Lebensversicherung können Sie zu den oberen zehn Prozent gehören. Testen Sie selbst, wo Sie in Ihrer Altersgruppe stehen!

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.