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10 Millionen Wahlberechtigte : Rekordbeteiligung in Istanbul erwartet

  • Aktualisiert am

Eine Frau gibt bei der Bürgermeisterwahl in Istanbul ihre Stimme ab Bild: EPA

Die Bürgermeisterwahl in Istanbul hat Signalwirkung für das Land. Zehntausende Menschen unterbrechen dafür extra ihren Urlaub. Um einen Erfolg zu sichern, haben sich die Oppositionsparteien zusammengetan.

          Rund sieben Wochen nach der Annullierung der Bürgermeisterwahl in der türkischen Millionenmetropole Istanbul stimmen die Einwohner am Sonntag abermals ab. Es treten vier Kandidaten an. Doch ist den Umfragen zufolge sicher, dass es ein Rennen wird zwischen dem Kandidaten der Mitte-Links-Partei CHP, Ekrem Imamoglu (49), und dem ehemaligen Ministerpräsidenten Binali Yildirim (63), der für die islamisch-konservative Regierungspartei AKP antritt. Neben Imamoglu und Yildirim tritt jeweils ein Kandidat der kleinen Oppositionsparteien Vatan und Saadet an. Die mit der AKP verbündete ultranationalistische Partei MHP unterstützt Yildirim – die pro-kurdische HDP und die nationalkonservative Iyi-Partei Imamoglu.

          Imamoglu hatte die erste Bürgermeisterwahl am 31. März knapp gewonnen. Die Hohe Wahlkommission (YSK) annullierte das Ergebnis allerdings Anfang Mai wegen angeblicher Regelwidrigkeiten und gab damit einem Antrag der AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan statt. Die Entscheidung stieß international auf Kritik.

          Die Wahl wird im Inland, aber auch dem Ausland aufmerksam beobachtet. Vielen gilt sie als Test für den Zustand der Demokratie im Land.

          Der Bürgermeisterposten ist der wichtigste im Land. In Istanbul leben mit rund 16 Millionen Menschen fast 20 Prozent aller Türken. Die Stadt generiert Experten zufolge ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts und rund 40 Prozent aller Steuereinnahmen. Das Budget ist milliardenschwer.

          Der bis vor wenigen Wochen unbekannte Oppositionspolitiker Imamoglu – der erste seit langem, der sich erfolgreich der Machtmaschinerie der AKP entgegengestellt hat – ist darüber zum Shootingstar der türkischen Politik geworden. Für Erdogan-Verdrossene ist sein Erfolg ein Zeichen dafür, dass politischer Wandel möglich ist. Einige sehen ihn ihm schon den nächsten Präsidenten der Türkei.

          Zehntausende Menschen kehrten kurz vor der Wahl eigens aus dem Urlaub zurück. Die Wahlbeteiligung in der Türkei ist immer hoch, aber die Neuwahl des Bürgermeisters fällt in die Sommerferien und viele Istanbuler fahren dann zu Verwandten aufs Land oder an die Strände. Wählen dürfen sie nur daheim.

          Der Chef der Fluggesellschaft Turkish Airlines, Bilal Eksi, twitterte am Samstag, wegen des Andrangs habe man 24 zusätzliche Flüge angeboten. Medien zeigten Luftaufnahmen der großen Busstation im Stadtviertel Esenler, wo es Stau auf der Zufahrtsstraße gab.

          Wahlberechtigt sind 10,5 Millionen Menschen. Bei der regulären Wahl am 31. März hatten rund 8,8 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben, was auf eine Wahlbeteiligung von 84 Prozent hinausläuft. Diesmal rechnen Meinungsforscher mit einer Rekordbeteiligung.

          Vor dem Wahlsieg von Imamoglu Ende März war Istanbul 25 Jahre lang von islamisch-konservativen Bürgermeistern regiert worden. Die Niederlage für die AKP war ein Gesichtsverlust für Erdogan, der selbst einst Bürgermeister von Istanbul war.

          Die Wahllokale sind von acht bis 17 Uhr geöffnet.

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