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Reisen in Europa : Corona-Beschränkungen immer unterschiedlicher

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Check-in-Bereich des Flughafens Valencia: Im wichtigsten europäischen Urlaubsland Spanien sind die Einreisen per Flugzeug im April wegen der Corona-Beschränkungen um 99,7 Prozent zurückgegangen. Bild: dpa

Ungarn lässt Reisende aus Drittstaaten weiter nicht ins Land, auch wenn die EU das für 14 Staaten empfohlen hatte. Großbritannien dagegen will seine Quarantänebeschränkungen offenbar aufheben.

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          Vor Reisen innerhalb Europas oder aus Drittstaaten müssen sich Passagiere und Geschäftsleute jetzt noch genauer über bestehende Corona-Beschränkungen informieren als bisher. Denn die Staaten gehen in Einzelfragen zunehmend eigene Wege. So wird Ungarn die EU-Empfehlung zur Lockerung der coronabedingten Einreisebestimmungen für Bürger aus 14 Nicht-EU-Staaten vorerst nicht anwenden. Das gab Ministerpräsident Viktor Orban am Donnerstag auf seiner Facebook-Seite bekannt. Die einzige Ausnahme bilde das südliche Nachbarland Serbien, dessen Bürger schon seit längerem uneingeschränkt wieder nach Ungarn reisen dürfen. Für Bürger aus den anderen 13 Drittstaaten, für die die EU eine Lockerung empfohlen hatte, ist die Einreise nach Ungarn weiterhin nicht möglich, sagte Orban.

          „Die Lockerung ist nicht im Interesse der Gesundheit der ungarischen Menschen“, fügte er hinzu. Die EU hatte ihre Empfehlung zum Wochenbeginn erlassen, in Kraft getreten war sie am Mittwoch. Sie bezieht sich auf Algerien, Australien, Georgien, Japan, Kanada, Marokko, Montenegro, Neuseeland, Ruanda, Serbien, Südkorea, Thailand, Tunesien und Uruguay. Die Liste ist rechtlich nicht verbindlich. Geschäftsleute aus Japan und Südkorea dürfen aufgrund einer Ausnahmeregelung schon seit längerem nach Ungarn reisen.

          Die britische Regierung dagegen will einem Zeitungsbericht zufolge ihre Quarantäne-Vorschriften für Reisende aus dem Ausland aufheben. Wie „The Daily Telegraph“ berichtete, sollen die Quarantäneregeln für 75 Länder beendet werden. Das betreffe fast alle EU-Länder sowie die britischen Territorien einschließlich Bermuda und Gibraltar sowie die Türkei, Thailand, Australien und Neuseeland.

          Türkei dringt auf Änderung der EU-Einreiseliste

          Änderungen an der EU-Liste für Einreisen aus Drittstaaten strebt auch die Türkei an: Sie möchte darin aufgenommen werden. Denn den Tourismus in der Türkei trifft die bisher noch geltende Reisewarnung der Bundesregierung hart. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy kommen darum am Donnerstag nach Deutschland, um unter anderem über dieses Thema zu sprechen. Cavusoglu will sich mit Außenminister Heiko Maas (SPD) treffen, Ersoy mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Die Organisation Amnesty International verlangte in diesem Zusammenhang, die Regelungen für Urlauber mit Sicherheitsgarantien für Mitarbeiter internationaler Menschenrechtsorganisationen zu verknüpfen. Auch sie müssten in der Türkei vor sicher sein.

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          Menschen, die aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen, müssen mit einer 14-tägigen Quarantäne rechnen. Allerdings können Urlauber aus der Türkei von der Quarantäneregelung befreit werden, wenn sie bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist. Die Bundesregierung hatte die im März wegen der Corona-Pandemie verhängte weltweite Reisewarnung inzwischen für 32 europäische Länder aufgehoben. Für die Türkei und etwa 160 weitere Länder gilt sie aber nach jetzigem Stand bis zum 31. August weiter. Die Türkei trifft das als drittbeliebtestes Urlaubsland der Deutschen nach Spanien und Italien besonders hart. Außerdem hatte die Bundesregierung die Türkei zusammen mit rund 130 anderen Ländern als Corona-Risikogebiet eingestuft.

          Ankara wirbt schon seit einiger Zeit um deutsche Touristen, bei denen vor allem der Urlaubsort Antalya beliebt ist. Flughäfen und Hotels bereiten sich auf ausländische Touristen vor. Die Einrichtungen müssen sich an zahlreiche Richtlinien halten, an Stränden etwa gilt ein Sicherheitsabstand, am Pool gibt es nur abgepackte Handtücher, und in Flughäfen und Hotels werden Wärmebildkameras eingesetzt. Die Regierung hat ein Zertifikationsprogramm entwickelt, an dem sich Gastronomen und Hotels freiwillig beteiligen können. Auch deutsche Firmen wie der Tüv Süd stellen Inspektoren.

          Durch die Corona-Pandemie sind die Touristenzahlen in der Türkei stark eingebrochen. Im Mai kamen rund 30.000 Besucher in das Land und damit 99,26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie das Tourismusministerium am Montag mitteilte. In den ersten fünf Monaten des Jahres gingen die Besucherzahlen demnach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 66,35 Prozent zurück. Vergangenes Jahr machten nach offiziellen Angaben mehr als fünf Millionen Deutsche dort Urlaub. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige für die Türkei.

          Der Grünen-Politiker Cem Özdemir warnte die Bundesregierung, dem Drängen der Türkei auf eine Aufhebung der Reisewarnung nachzugeben. „Corona-Reisewarnungen sind in Deutschland keine Verhandlungsmasse für politische Deals – sie dienen dem Gesundheitsschutz, und das muss auch Präsident Erdogan begreifen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland am Donnerstag. Die Reisewarnung für die Türkei müsse so lange aufrechterhalten werden, wie die Türkei vom Robert Koch-Institut als Risikogebiet ausgewiesen werde.

          Die Luftfahrtbranche forderte unterdessen von der Bundesregierung eine Abkehr von generellen Reisewarnungen in der Corona-Pandemie. „Pauschale und undifferenzierte Reisebeschränkungen dürfen keine Zukunft haben“, sagt der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, Peter Gerber, auf einer Fachkonferenz in Frankfurt. Um die Weltwirtschaft wieder in Gang zu bringen, sei es wichtig, dass Begegnungen wieder ungehindert stattfinden könnten. Wo es aufgrund des Infektionsgeschehens nicht unkonditioniert möglich wäre, könnten Covid-19-Tests vorgenommen werden. „Es ist ganz wichtig, dass wir hier schnell arbeiten, sonst werden wir diese Industrie verlieren.“

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