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Regionalwahlen in Italien : Fällt die rote Toskana?

Susanna Ceccardi, wird von Salvini „la leonessa“, die Löwin genannt. Sie geht in der Toskana als Lega-Kandidatin ins Rennen. Bild: EPA

Im Frühjahr war Italiens Rechte noch an einer sozialdemokratischen Bastion gescheitert. In der Toskana könnte sie triumphieren. Der ehemalige Ministerpräsident Matteo Renzi warnt: „Die roten Festungen gibt es nicht mehr.“

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          Im Januar, in der Emilia-Romagna, waren die Parteien der Rechten unter Führung von Matteo Salvinis nationalistischer Lega noch gescheitert. Die vom ehemaligen Innenminister angekündigte „Befreiung“ der Region nach sieben Jahrzehnten linker Herrschaft blieb aus. Stattdessen verteidigten die Sozialdemokraten ihre Macht in dem wirtschaftsstarken Landstrich im Norden Italiens überzeugend. Regionalpräsident Stefano Bonaccini besiegte seine Herausforderin  von der Lega mit knapp acht Prozentpunkten Vorsprung.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          An diesem Sonntag versucht die Rechte, bei den Wahlen in sieben der zwanzig Regionen des Landes, wieder eine Festung der Linken zu erstürmen. Diesmal geht  es um die „rote Toskana“. Auch dort herrscht die Linke seit einem halben Jahrhundert, seit es überhaupt in Italien Regionalwahlen gibt. Vom dunkelroten Bündnis von Kommunisten und Sozialisten in den siebziger und achtziger Jahren über die hellrote Phase verschiedener reformsozialistischer Bündnisse danach bis zur pinken Gegenwart der heutigen Sozialdemokraten reichen die  Farbschattierungen.

          Zwar wird auch in sechs weiteren Regionen gewählt, vom Norden bis zum Süden des Landes. Die Rechte kann nach Umfragen mit der Wiederwahl ihrer Kandidaten in den zwei von ihr beherrschten Regionen rechnen und darf zusätzlich auf den einen oder anderen Machtwechsel hoffen. Doch aller Augen sind auf die Toskana gerichtet.

          Eine angriffslustige „Löwin“

          Gemäß Absprache mit den Bündnispartnern  von der postfaschistischen Partei „Brüder Italiens“ unter Giorgia Meloni und der liberal-konservativen „Forza Italia“ von Silvio Berlusconi darf Salvini in der Toskana eine Lega-Kandidatin ins Rennen schicken. Es handelt sich um die 33 Jahre alte Juristin Susanna Ceccardi, die 2016 in der Stadt Cascina nahe Pisa als erste Lega-Bürgermeisterin überhaupt in der Geschichte der Toskana gewählt  wurde. Salvini nennt die angriffslustige Ceccardi „la leonessa“, die Löwin.

          Anders als ihre Parteifreundin Lucia Borgonzoni im Januar in der Emilia-Romagna hat es Ceccardi nicht mit einem erprobten Regionalpräsidenten zu tun: Amtsinhaber Enrico Rossi tritt nach zehn Jahren Herrschaft nicht mehr an. Stattdessen schicken die Sozialdemokraten den 61 Jahre alten Eugenio Giani ins Rennen, derzeit Präsident des toskanischen Regionalparlaments in Florenz.

          Giani ist das genaue Gegenteil seiner temperamentvollen Herausforderin: ein blasser Aparatschik des sozialdemokratischen Establishments, der sich über allerlei Posten und Ämter in  der Region emporgehangelt hat. Giani wird zwar auch vom früheren Ministerpräsidenten Matteo Renzi unterstützt, dem abtrünnigen Sozialdemokraten, der vor einem Jahr seine eigene linke Kleinpartei „Italia Viva“ gegründet hat. Aber die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung, die in Rom mit den Sozialdemokraten die  Koalitionsregierung unter Regierungschef Giuseppe Conte bildet, schickt in der Toskana eine eigene Kandidatin ins Rennen, allerdings ohne Erfolgsaussichten: In letzten Umfragen kommt sie nur auf neun Prozent, könnte damit aber dem Sozialdemokraten Giani, der mit 42 Prozent nur einen Prozentpunkt vor Lega-Kandidatin Ceccardi liegt, möglicherweise entscheidende Stimmen wegnehmen.

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