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Regionalwahlen in Italien : Fällt die rote Toskana?

Anders als in der Emilia-Romagna dürfte die linke Bürgerbewegung der Sardinen, die dort im Januar als selbsternannte Dammbauer gegen die Lega-Flut viele junge Wähler zu mobilisieren vermochte, in der Toskana nur geringen Einfluss auf den  Wahlausgang nehmen können. Die Bewegung konnte ihre politische Dynamik aus der Emilia-Romagna zu keinem Zeitpunkt auf die nationale Ebene ausweiten. Unvermeidliche innere Streitigkeiten führten zu einer weiteren Schwächung.

Es geht auch um die Führung der Sozialdemokraten

Viel spricht dafür, dass die Sardinen so rasch in der Bedeutungslosigkeit verschwinden werden wie sie kurz vor der „Schicksalswahl“ in der Emilia-Romagna als politische Sauerstoffzufuhr für die Sozialdemokraten aufgetaucht waren. Der Florentiner Matteo Renzi, der seit seinem Aufstieg an die Spitze der Sozialdemokraten und dann der Regierung in Rom von Ende 2013, Anfang 2014 wie kein anderer die politische Dynamik der Toskana verkörperte, ist zuversichtlich, dass sich Giani in dem Kopf-an-Kopf-Rennen letztlich gegen Ceccardi wird durchsetzen können. Bei den Wahlen vom Sonntag gehe es darum, ob  sich die Toskana weiter zu Europa bekenne oder ob sie zum Wurmfortsatz der rechtsnationalistischen Lega werde, sagt Renzi. „Die roten Festungen gibt es nicht mehr“, warnt Renzi, es komme am Sonntag buchstäblich auf jede Stimme an.

Tatsächlich hat die Rechte unter Führung der Lega in den Jahren seit dem Initialsieg der „Löwin“ Ceccardi in Cascina von 2016 wichtige toskanische Provinzhauptstädte erobert: von Arezzo und Grosseto über Massa Carrara und Pisa bis zu Pistoia und Siena. In der Hafenstadt Livorno, wo 1921 die Kommunistische Partei Italiens gegründet wurde, hatten die Populisten von der Fünf-Sterne-Bewegung schon 2014 die Hochburg der traditionellen Linken schlechthin geschleift.

Zum Endspurt im Kampf um die Toskana und die sechs anderen Regionen waren die politischen Schwergewichte aller Parteien noch einmal nach Florenz geeilt. Nicola Zingaretti, seit März 2019 Parteichef der Sozialdemokraten, rief am Donnerstag  die Wähler – auch und gerade der Fünf-Sterne-Bewegung – dazu auf, die Toskana „nicht in die Hände der Neofaschisten“ fallen zu lassen.

Für Zingaretti steht auch persönlich viel auf dem Spiel. Sollten die Sozialdemokraten am Sonntag die Macht nicht nur in Apulien und in den Marken, sondern sogar in der Toskana  verlieren und lediglich in Kampanien verteidigen können, wäre sein Posten an der Parteispitze akut gefährdet.

Am Freitagabend sprachen dann noch Matteo Salvini und Giorgia Meloni auf der Piazzale Michelangelo in Florenz bei der nationalen Abschlusskundgebung zu den Regionalwahlen. Für die „Forza Italia“ trat Vizechef Antonio Tajani auf, denn der bald 84 Jahre alte Parteivorsitzende Silvio Berlusconi muss sich nach gerade überstandener Covid-19-Erkrankung noch schonen. Von seiner Villa nahe Mailand aus meldete sich Berlusconi telefonisch bei der Abschlusskundgebung: „Liebe Giorgia, lieber Matteo, lieber Antonio. Unser Bündnis, fest vereint wie immer, wird am Sonntag in ganz Italien siegen. Davon bin ich überzeugt.“

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