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Regionalwahlen in Frankreich : Le Pen und ihr trügerisches Bild

Marine Le Pen verlässt am Sonntag eine Wahlkabine im nordfranzösischen Henin-Beaumont Bild: AFP

Den Stimmungstest vor der Präsidentenwahl haben Marine Le Pen und Emmanuel Macron verloren. Zweidrittel der Wahlberechtigten blieben bei den Regionalwahlen zu Hause. Die Regierung in Paris ist besorgt, Le Pen verärgert.

          3 Min.

          Den Stimmungstest knapp ein Jahr vor der französischen Präsidentenwahl haben Marine Le Pen und Emmanuel Macron schon verloren. Fast 67 Prozent der Wahlberechtigten blieben den Urnen im ersten Regionalwahlgang am Sonntag fern. Der Rassemblement National (RN) erlitt deutliche Einbußen und kam auf 19 Prozent der Stimmen landesweit, 2015 waren es 28 Prozent gewesen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Regierungspartei La République en marche (LREM) erhielt etwa zehn Prozent der Stimmen und kann damit die Machtverhältnisse beim zweiten Wahlgang am nächsten Sonntag kaum beeinflussen. Der Vorsitzende der rechtsbürgerlichen Partei Les Républicains (LR), Christian Jacob, sprach von einer „beispiellosen Niederlage“ für eine Regierungspartei. Le Pen sagte, dass das Wahlergebnis aufgrund der extrem niedrigen Wahlbeteiligung ein „trügerisches Bild“ der politischen Kräfteverhältnisse im Land abgebe. Im Dezember 2015 war die damalige Front National aus der ersten Runde noch als stärkste Kraft der Regionalwahlen hervorgegangen.

          Die 52 Jahre alte Präsidentschaftskandidatin trat am Wahlabend deutlich verärgert vor die Fernsehkameras. Sie geißelte das „staatsbürgerliche Desaster“ der niedrigen Wahlbeteiligung. „Angesichts der Regierungsarbeit, die unser Land ins Chaos führt, müssen unsere Wähler reagieren. Sie müssen wählen gehen“, mahnte Le Pen sichtlich erzürnt. „Wenn Sie nicht für Ihre Ideen wählen gehen, dann zählt Ihre Stimme nicht mehr“, richtete sie sich an ihre Anhänger. Sie hofft auf eine verbesserte Wahlbeteiligung im zweiten Durchgang.

          Ihre Worte zeugten von Enttäuschung. Die Umfrageinstitute hatten ihren Kandidaten deutliche Erfolge in sechs Regionen vorhergesagt. Allein in der historischen Hochburg an der Mittelmeerküste, in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA), kann sich ihr Spitzenkandidat Thierry Mariani noch Hoffnungen auf einen Sieg ausrechnen. Mit einem Ergebnis von 35,5 Prozent der Stimmen liegt er knapp vor dem amtierenden rechtsbürgerlichen Regionalratspräsidenten Renaud Muselier, der auf 33 Prozent kam.

          Verzicht oder Parteiausschluss

          Der Kandidat der Linksunion (Sozialisten, Grüne und Kommunisten), Jean-Laurent Félizia, erzielte 15 Prozent und weigerte sich zunächst, seine Kandidatur zurückzuziehen, um einen Erfolg der extremen Rechten zu verhindern. Das führte am Montag zu Verwerfungen mit den Parteizentralen in Paris. Der grüne Parteichef Julien Bayou drohte seinem Parteifreund Félizia mit Parteiausschluss, sollte er nicht zugunsten Museliers verzichten. Schon vor sechs Jahren hatten sich die Linksparteien mit der bürgerlichen Rechten zusammengeschlossen, um die Le-Pen-Enkelin Marion Maréchal aufzuhalten. „Wir können nicht das Risiko eingehen, zum Sieg Le Pens beizutragen“, mahnte Bayou. Am Montagnachmittag kündigte Félizia dann an, sich zurückzuziehen. Damit steigen die Chancen Museliers, an der Spitze der Region zu bleiben.

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