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Regionalwahl in Frankreich : Macron und Le Pen gehen leer aus

Marine Le Pen in einem Wahllokal in Henin-Beaumont Bild: AFP

Marine Le Pen scheitert mit ihrer Strategie, die Regionalwahl in Frankreich zu „nationalisieren“ und als Sprungbrett für die Präsidentenwahl im nächsten Frühjahr zu nutzen. Auch für Präsident Emmanuel Macron bedeutet das Ergebnis einen deutlichen Dämpfer.

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          „Wir haben das Rassemblement National geschlagen“: Mit diesen Worten hat der rechtsbürgerliche Spitzenkandidat Xavier Bertrand in der nordfranzösischen Wahlheimat Marine Le Pens seinen Wahlsieg am Sonntagabend gefeiert. Der Partei Le Pens gelang es von neuem nicht, eine der dreizehn Großregionen zu erobern. In der Mittelmeerregion Provence Alpen Cote d’Azur (Paca) setzte sich der amtierende Regionalratspräsident Renaud Muselier (LR) überraschend deutlich gegen den RN-Kandidaten Thierry Mariani durch. Laut ersten Hochrechnungen erhielt Muselier 56 Prozent der Wählerstimmen. In Umfragen war ihm ein hauchdünner Sieg von 51 Prozent vorhergesagt worden.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die im zweiten Wahlgang leicht gestiegene Wahlbeteiligung in der Urlaubsregion kam damit nicht dem RN zugute, wie zunächst angenommen worden war.  Marine Le Pen scheiterte mit ihrer Strategie, die Regionalwahl zu „nationalisieren“ und als Sprungbrett für die Präsidentenwahl im nächsten Frühjahr zu nutzen. Die Wahlbeteiligung blieb auf einem sehr niedrigen Niveau bei 35 Prozent.

          Die bürgerliche Rechte geht gestärkt aus dem zweiten Wahlgang hervor. Bertrand kam in der einstigen RN-Hochburg im deindustrialisierten Norden über die 50-Prozent-Marke und bringt sich damit als ernstzunehmender Präsidentenanwärter in Position. Laut Hochrechnungen erzielte er 53 Prozent der Stimmen. Der RN-Kandidat Sébastien Chenu lag mit 25 Prozent der Stimmen abgeschlagen zurück. Auch die Hauptstadtregion bleibt in der Hand der bürgerlichen Rechten. Regionalratspräsidentin Valerie Pecresse wurde mit etwa 45 Prozent der Stimmen wieder gewählt.

          Desinteresse an dem Wahltermin

          In der wirtschaftlich zweitstärksten Region Frankreichs, Auvergne Rhone Alpes, wurde der amtierende LR-Regionalratspräsident Laurent Wauquiez mit einem Ergebnis von 55 Prozent der Stimmen für eine neue Amtszeit bestätigt. Im Elsass entschieden sich etwa 39 Prozent der Wähler für den amtierenden LR-Regionalratspräsidenten Jean Rottner. In der Normandie wurde der Zentrist und ehemalige Verteidigungsminister Hervé Morin als Regionalratspräsident im Amt bestätigt. Ohnehin galt ein Amtsbonus. In Okzitanien, Neu-Aquitanien, im Burgund und der Region Zentrum-Loire-Tal wurden die sozialistischen Regionalratspräsidenten im Amt bestätigt.

          Der frühere Arbeitsminister Bertrand nutzte seinen Erfolg in Nordfrankreich, um sich als „dritter Mann“ im Rennen um die Präsidentschaft zu positionieren. Er kündigte am Wahlabend an, in den nächsten Wochen „alle Franzosen ansprechen“ zu wollen. Sowohl für Emmanuel Macron als auch für Marine Le Pen bedeutet das Ergebnis einen deutlichen Dämpfer. La République en marche (LREM) konnte genausowenig wie RN eine Region erobern.

          Die von Macron erhoffte Verankerung seiner Partei im weiten Land kommt nur schleppend voran. Ein Großteil der Franzosen zeigte Desinteresse an dem Wahltermin. Außer der Entscheidung in den Regionen mussten die Wahlberechtigten auch über die Zusammensetzung der Départementsräte entscheiden. Auch hier lag die Wahlbeteiligung mit knapp 35 Prozent sehr niedrig.

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