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Region Donezk : Ukrainische Truppen ziehen sich zurück

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Anwohner und prorussische Separatisten haben die ukrainischen Panzer in der Region Donezk am Weiterfahren gehindert. Bild: AP

Im Osten der Ukraine ziehen sich die Regierungstruppen aus dem Gebiet Donezk zurück. Zuvor hatten Bewaffnete einen Stützpunkt der Nationalgarde angegriffen. Drei Separatisten sollen dabei getötet worden sein.

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          Nach einer Blockade durch prorussische Bewaffnete und Anwohner haben sich ukrainische Regierungstruppen mit 15 gepanzerten Fahrzeugen aus dem Gebiet Donezk im Osten des Landes zurückgezogen. Die Einheit werde in voller Stärke zurück nach Dnjepropetrowsk verlegt, teilte am Donnerstag das Verteidigungsministerium in Kiew mit. Moskautreue Aktivisten hatten am Vortag bei Kramatorsk gewaltlos sechs gepanzerte Fahrzeuge übernommen. Die Mannschaften seien nun in ihre Basis zurückgekehrt, betonte das Ministerium. Die Einheiten sollten eigentlich mit einem „Anti-Terror-Einsatz“ gegen Separatisten vorgehen, die in mehreren Städten des Gebiets Donezk staatliche Gebäude besetzt halten.

          In der Nacht auf Donnerstag waren bei einem Angriff auf einen ukrainischen Militärstützpunkt nach Angaben der Regierung in Kiew drei prorussische Separatisten getötet worden. Der Vize-Kommandant der Basis in Mariupol, Alexander Kolesnitschenko, teilte mit, die Bewaffneten hätten am Vorabend das Tor mit einem Lastwagen durchbrochen. Die Soldaten der Nationalgarde hätten zuerst Warnschüsse abgeben. Innenminister Arsen Awakow schrieb auf Facebook, an dem Angriff seien etwa 300 Menschen beteiligt gewesen, von denen drei getötet, 13 verletzt und 63 festgenommen worden seien. Inzwischen seien Elite-Einheiten in den Stützpunkt verlegt worden. Ein Vertreter der Separatisten, der sich Sergej nannte, sprach von einer friedlichen Demonstration, zu der Menschen mit Brandsätze hinzugekommen seien. Nach seinen Angaben gab es einen Toten und mehr als zehn Verletzte.

          Am Donnerstagmorgen war auf dem Gelände des Stützpunkts das Wrack eines grauen Polizei-Jeeps zu sehen. Die Scheiben waren zertrümmert, die Reifen platt und die Türen verbogen. Die Tore der Kaserne waren zerstört. Vor ihnen lagen Patronenhülsen und mehrere Brandsätze.

          Ukrainischen Sicherheitsbehörden vermeldeten zudem die Festnahme von etwa zehn russischen Staatsangehörigen mit „Geheimdienst-Hintergrund“.

          Prorussische Aktivisten vor dem Stützpunkt der Nationalgarde in Mariupol, wo es in der Nacht offenbar drei Tote gab.

          Krisengipfel in Genf

          Der Krisengipfel in Genf an diesem Donnerstag steht im Zeichen der der angespannten Lage in der Ostukraine. Die Außenminister der Vereinigten Staaten, Russlands und der Ukraine sowie die Außenbeauftragte der Europäischen Union sind zu Gesprächen zusammengekommen.

          Zuvor hat der amerikanische Präsident Barack Obama Russland mit weiteren Sanktionen gedroht. Sollte die Regierung die Ukraine weiter destabilisieren, werde dies Konsequenzen haben, sagte Obama am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders CBS. Russland schade sich schon jetzt mit den Strafmaßnahmen, die der Westen nach der Angliederung der Halbinsel Krim verhängt habe. Diese betreffen bislang nur Russen und Ukrainer, die für die Eskalation verantwortlich gemacht werden.

          Putin hingegen hat die ukrainische Übergangsregierung beschuldigt, einen Aufstand im russischsprachigen Osten des Landes niederzuschlagen. Auch die Amerikaner machten sich schuldig. Indem sie den Militäreinsatz gegen prorussische Separatisten in der Region rechtfertigten, unterstützten sie einen „Krieg gegen das Volk“, erklärte das Außenministerium in Moskau. Zugleich warf Russland den Amerikanern doppelte Standards vor. So verteidige Washington den Sturz der rechtmäßigen Regierung als Volksaufstand, kritisiere aber die Proteste im Osten als Terrorismus.

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