https://www.faz.net/-gpf-9byq7

Koka-Bauern in Kolumbien : Landwirtschaft auf Entzug

Pflanze auf dem absteigenden Ast: Die Bauern in Kolumbien sind angehalten, nicht länger Koka anzubauen. Bild: Arredondo/NYT/Redux/laif

In Kolumbien erhalten Kokabauern Geld von der Regierung, wenn sie stattdessen legale Pflanzen anbauen – doch das Programm hat Schwächen und liefert Gegnern des Friedensvertrages mit den Farc neue Argumente.

          7 Min.

          Früher lebten die Kleinbauern in der Gegend von Tumaco vor allem von einem Produkt: Koka. In diesem Niemandsland zwischen dem Pazifik und den Kordilleren ist seit Ende der neunziger Jahre eines der wichtigsten Koka-Anbaugebiete des Landes entstanden. Und Tumaco hat sich zu einer Hochburg des Drogenhandels entwickelt. Doch viele Bauern haben genug vom illegalen Geschäft und wollen mit der Vergangenheit abschließen. Einer von ihnen ist Eduardo Rosales. Er steht unter seinen Kakaobäumen im aufgeweichten Boden, schneidet mit einer Machete eine der orangefarbenen Früchte ab, öffnet sie und nimmt sich etwas vom süßen weißen Fruchtfleisch um die Kakaobohnen. „Kakao ist harte Arbeit“, sagt er. Jeden Tag müsse man die Früchte einsammeln, sonst verfaulten sie. Die Kakaobohnen bringen Rosales kaum etwas ein, denn der Preis ist im vergangenen Jahr weiter gesunken. Es sei schwierig, davon zu leben, sagt der Bauer. „Früher, mit dem Koka, war es einfacher.“

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Rosales wohnt mit seiner Familie an jener Landstraße, die die Hafenstadt Tumaco im Süden Kolumbiens mit dem Rest des Landes verbindet. Die Kriminalität in der 200.000 Einwohner zählenden Stadt ist hoch. Die Polizei und die Armee begnügen sich damit, die Hauptstraßen abzusichern. Die auf Stelzen ans Ufer gebauten Armensiedlungen werden sich selbst überlassen. So ist es auch mit dem Hinterland von Tumaco, das der Staat weitgehend dem organisierten Verbrechen überlassen hat. Die Gegend ist seit rund zwanzig Jahren in der Hand von Drogenkartellen, Guerrilleros und Paramilitärs. Mit fast 40.000 Hektar im Jahr 2016 ist das Department Nariño, in dem Tumaco liegt, Kolumbiens größter Kokaproduzent geworden. Mehr als ein Fünftel des in Kolumbien produzierten Koka stammt aus der Region. In Nariño und im benachbarten Department Cauca werden vierzig Prozent des gesamten kolumbianischen Kokains produziert. Unzählige Ladungen gelangen jedes Jahr von Tumaco auf der Pazifikroute nach Mexiko und in die Vereinigten Staaten.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Donald Trump und die Wahrheit : Der Lügenpräsident

          Verzerrungen, Halbwahrheiten, Übertreibungen: Ein Team der „Washington Post“ hat Donald Trumps Falschaussagen seit seiner Amtseinführung dokumentiert. Es kommt zu einem erschütternden Befund.
          Anzeigen sollen pädagogisch auf Motorradfahrer wirken.

          Der Lärm der Biker : Da wackelt das Geschirrle

          Motorradfahrer lieben die Schwäbische Alb. Aber auf der Schwäbischen Alb liebt man die Motorradfahrer nicht. Immer mehr und immer lauter seien die Maschinen, klagen die Anwohner. Es ist ein Kulturkampf.