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Referendum : Scheidung soll künftig in Malta erlaubt werden

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Freude bei den Initiatoren der Abstimmung: Eine knappe Mehrheit stimmte für Scheidungen auf Malta Bild: AFP

Historische Entscheidung auf Malta: Auch in dem streng katholischen Inselstaat sollen zerrüttete Ehen künftig geschieden werden können. Mit einer Mehrheit votierten die Wähler des EU-Zwergstaates für ein gesetzliches Scheidungsrecht. Bislang war Malta der einzige EU-Staat, in dem die Ehescheidung verboten war.

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          Auf Malta sollen nach dem Willen der Mehrheit der Bürger Scheidungen künftig möglich sein. Dies sei das Ergebnis des am Samstag zu der Frage abgehaltenen Referendums, teilte der Regierungschef der Mittelmeerinsel, Lawrence Gonzi, am Sonntag in Valletta mit. Gonzi erklärte, das Ergebnis entspreche nicht seinen Wünschen. Der Wille des Volkes müsse aber respektiert werden, und das Parlament werde deswegen ein Gesetz zur Einführung der Ehescheidung verabschieden. Malta ist der einzige EU-Staat, in dem die Ehescheidung verboten ist. Nun ist die Ehescheidung weltweit nur noch auf den Philippinen verboten. Fast drei Jahrhunderte beherrschte der katholische Malteser-Orden die Insel - und noch heute sind 95 Prozent der 400.000 Einwohner Maltas Katholiken, die Kirchen sind stark besucht.

          Die Wähler hatten darüber zu befinden, ob Ehescheidung zulässig werden soll, wenn Eheleute mindestens vier Jahre getrennt leben und eine Versöhnung ausgeschlossen ist. An der Volksbefragung, deren Ergebnis nicht verbindlich ist, beteiligten sich am Samstag rund drei Viertel aller Wahlberechtigten. Laut Medienberichten handelt es sich damit um die niedrigste Wahlbeteiligung in der Geschichte des Landes. Bei den letzten Parlamentswahlen und beim Referendum über den EU-Beitritt hatten sich jeweils mehr als 90 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Die Auszählung hatte erst am Sonntag begonnen.

          Fast drei Jahrhunderte beherrschte der katholische Malteser-Orden die Insel - und noch heute sind 95 Prozent der 400.000 Einwohner Maltas Katholiken, die Kirchen sind stark besucht. Die Kirche hatte die Gläubigen aufgerufen, bei dem Referendum mit „Nein“ zu stimmen. Die katholischen Bischöfe des kleinen Inselstaates entschuldigten sich in einer nach Schließung der Wahllokale veröffentlichten Erklärung, sollten Mitglieder der Kirche in der Debatte jemanden verletzt haben. Sie versprachen zugleich, unabhängig vom Ausgang der Abstimmung dabei zu helfen, junge Leute besser auf die Ehe vorzubereiten, und Paare besser beim Gelingen ihrer Ehe zu unterstützen.

          Im Jahr 2009 rief Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Malta die Jugend auf, an den traditionellen Werten festzuhalten: „Ihr solltet stolz darauf sein, dass euer Land das ungeborene Leben schützt und ein stabiles Familienleben fördert, indem es die Abtreibung und die Ehescheidung ablehnt.“ Im Oktober 2009 sprachen sich die Bischöfe in Malta in einem Hirtenbrief gegen die Ehescheidung aus. Die Einstellung zur Ehe solle sich ändern, schlugen sie vor, nicht das Gesetz. Wo die Scheidung existiere, sei sie in der Hoffnung eingeführt worden, eine Lösung für gescheiterte Ehen zu finden. Tatsächlich hätten sich die Probleme dadurch nur vervielfacht.

          Jährlich werden bis zu 200 Ehen von Maltesern annulliert. Dafür müssen die Eheleute aber ins Ausland gehen. Dieser Zustand sei nicht hinnehmbar, fand auch die Generalsekretärin der oppositionellen Labour Party, Lydia Abela: „Ehen zerbrechen, und zugleich entstehen neue Familien. Die Opfer sind die Kinder - ohne eine rechtliche Grundlage.“ Befürworter der Ehescheidung beschwerten sich über unzulässigen Druck auf Wähler, etwa in Altersheimen. Unter solchen Umständen sei die Entschuldigung der Bischöfe nur schwer zu akzeptieren, hieß es.

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