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Referendum : Grönländer für mehr Autonomie

  • -Aktualisiert am

Eine kleine Grönländerin wirft den Wahlzettel ihrer Mutter in die Urne: Reif für die Unabhängigkeit? Bild: dpa

Eine klare Mehrheit der Grönländer hat sich in einem „beratenden Referendum“ für eine größere Autonomie ausgesprochen. Grönländisch wird künftig als Amtssprache anerkannt. Zugleich erhalten die Grönländer das Nutzungsrecht an ihren Bodenschätzen. Grönland bleibt jedoch Teil des dänischen Königreiches.

          Eine klare Mehrheit der Grönländer hat sich in einem „beratenden Referendum“ für die mit Dänemark ausgehandelte größere Autonomie ausgesprochen. Bei einer Beteiligung von fast 72 Prozent der 39.300 Stimmberechtigten votierten 75,5 Prozent mit Ja. Damit können das dänische Parlament und die Abgeordnetenkammer der Grönländer das Gesetz über die „Selvstyre“ verabschieden, das zum 21. Juni 2009 die bisherige, seit 1979 bestehende Verwaltungsautonomie erweitert. Die Gebiete der möglichen Selbstverwaltung werden umfassend ausgeweitet, vor allem auf dem Justiz- und Polizeisektor.

          Die Grönländer werden als eigenes Volk, Grönländisch wird als Amtssprache anerkannt. Zugleich erhalten die Grönländer das Nutzungsrecht (nicht aber das Eigentumsrecht) an ihren Bodenschätzen. Grönland bleibt jedoch Teil des dänischen Königreiches. Außen- und Sicherheitspolitik bleiben ebenso wie die Währung weiter in der Zuständigkeit Dänemarks.

          Gigantische Öleinnahmen erhofft

          Grönland wird für die zusätzlichen Selbstverwaltungsgebiete finanziell selbst aufkommen müssen, bei einem Ausbleiben der erhofften gigantischen Öleinnahmen also nur schrittweise durch Umschichtungen im Haushalt Mittel gewinnen können. Sollte es zu Öleinnahmen kommen, wird der dänische „finanzielle Blockzuschuss“ von jährlich 3,2 Milliarden Kronen (430 Millionen Euro) um die Hälfte dieser Einnahmen gekürzt.

          Die Ungewissheit über die Einnahmen aus den Bodenschätzen und die Sorge über die Kürzungen bei der dänischen Finanzhilfe hatten viele Grönländer an der Abmachung mit Kopenhagen zweifeln lassen. Auch manche Grönländer halten das eigene Volk und die eigene Regierung, die immer wieder wegen Vetternwirtschaft kritisiert worden war, für nicht reif für die Unabhängigkeit, ohne die Stützkorsetts dänischer Finanzhilfe und dänischer Beamten. Das überwältigende Votum für die Ausweitung der Selbstverwaltung zeigt jedoch, dass die Grönländer auf ihrem behutsamen Mittelweg zu einer späteren Unabhängigkeit fortschreiten wollen.

          Der Regierungschef von Grönland, Hans Enoksen, dankte in der Nacht zum Mittwoch der Bevölkerung für den Vertrauensbeweis. Lars-Emil Johansen, der ehemalige Regierungschef, wie Enoksen von der seit 30 Jahren regierenden Siumit-Partei, sagte, die warmen und engen Beziehungen zu Dänemark blieben bestehen. Johansen dankte dem dänischen Ministerpräsidenten Rasmussen. der den Grönländern mehrfach versichert hatte, wenn sie die völlige Unabhängigkeit haben wollten, könnten sie diese sofort erhalten.

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