https://www.faz.net/-gpf-rzho

Rede zur Lage der Nation : Bush warnt vor Amerikas „Abhängigkeit vom Öl“

  • Aktualisiert am

„Die Tyrannei in der Welt beenden” Bild: AP

Präsident George W. Bush will die Ölimporte aus „instabilen“ Regionen drastisch verringern und auf „saubere“ Energien setzen. In seiner Rede zur Nation unterstrich er Amerikas Führungsanspruch in der Welt.

          4 Min.

          Unter dem Eindruck eines gewaltigen Haushaltsdefizits und eines unpopulären Krieges im Irak hat der amerikanische Präsident George W. Bush angekündigt, die internationale Führungsrolle der Vereinigten Staaten zu erhalten. Im Interesse der nationalen Sicherheit und des Weltfriedens müßten die Vereinigten Staaten die globale Führungsmacht bleiben. „Unsere Nation ist dem historischen, langfristigen Ziel verpflichtet, die Tyrannei in der Welt zu beenden“, sagte Bush.

          Das Land sei stark, trotz der Sorgen wegen des Irak-Krieges, der wirtschaftlichen Lage und der steigenden Energiepreise, sagte der Präsident in seiner Rede zur Lage der Nation am Dienstag abend (Ortszeit) im Kapitol von Washington. Die amerikanische Wirtschaft warnte er dennoch vor Selbstgefälligkeit. „Amerika ist süchtig nach Öl, das oft aus instabilen Teilen der Welt importiert wird“, sagte Bush. Diese Abhängigkeit müsse verringert werden.

          Ölimporte aus dem Nahen Osten ersetzen

          Er forderte die Erforschung alternativer Treibstoffe, um Ethanol aus Holz und Getreide zu gewinnen. „Unser Ziel ist es, diese Art von Ethanol innerhalb von sechs Jahren zum Einsatz zu bringen“, sagte Bush unter dem Applaus der Zuhörer. „Durchbrüche bei dieser und anderen Technologien werden uns helfen, ein anderes großes Ziel zu erreichen: mehr als 75 Prozent unserer Ölimporte aus dem Nahen Osten bis 2025 zu ersetzen.“ Dafür werde mehr Geld in alternative Energien wie Sonne und Wind sowie Biotreibstoffe, Atomenergie und umweltfreundliche Kohlekraftwerke investiert.

          Der Kongreß lauscht

          Angesichts eines Haushaltsdefizits, das in diesem Jahr 400 Milliarden Dollar überschreiten könnte, konnte Bush keine teuren neuen Initiativen ankündigen. Er forderte jedoch, 70.000 Lehrer auszubilden, die Kurse für Fortgeschrittene in Mathematik und Naturwissenschaften unterrichten sollten. Weitere 30.000 Mathematiker und Wissenschaftler sollten aufgefordert werden, in den Schulen zu arbeiten.

          Wettbewerbsfähigkeit verbessern

          Bush, der zehn Monate vor Kongreßwahlen die schlechtesten Umfragewerten seiner fünfjährigen Amtszeit verzeichnen muß, versuchte einen optimistischen Ausblick auf die Zukunft Amerikas. Die Vereinigten Staaten müßten ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern, erklärte Bush. „Die amerikanische Wirtschaft ist überragend, aber wir können es uns nicht leisten, selbstzufrieden zu sein“, sagte er. „In einer dynamischen Weltwirtschaft sehen wir neue Wettbewerber wie China und Indien.“

          Bush kündigte in seiner Rede auch eine Fortsetzung des Kampfes gegen den Terrorismus an. Der weltweite Einsatz Amerikas für die Freiheit sei kein „fehlgeleiteter Idealismus“. Aber von der „Verbreitung der Freiheit“ hänge auch die „Sicherheit Amerikas“ ab. „Wir müssen wählen, entweder selbstbewußt die Feinde der Freiheit zu verfolgen oder uns unseren Pflichten zu entziehen, in der Hoffnung auf ein leichteres Leben.“

          Bush forderte den offensiven Kampf gegen einen radikalen Islam, der „wesentliche Quelle der Reaktion“ und Feind der Freiheit sei. Diese „totalitären Kräfte“ wollten die Vereinigten Staaten und die Welt angreifen, sagte Bush. Ein Rückzug aus dem Irak werde keinen Frieden und keine Ehre bringen, sagte Bush. Er nannte erneut keinen Zeitplan für einen Abzug der amerikanischen Truppen. Darüber müsse die Führung der Streitkräfte vor Ort entscheiden, erklärte der Präsident.

          Freundschaft mit Iran

          In seiner Rede griff er scharf Iran an, wo „eine kleine religiöse Elite“ das Volk als „Geisel“ genommen habe. Zum Konflikt über das iranische Atomprogramm sagte der Präsident, die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten seien sich einig, daß das Land keine Atomwaffen entwickeln dürfen. Direkt an das iranische Volk gewandt erklärte er, die Vereinigten Staaten wollten eines Tages ein enger Freund eines freien und demokratischen Iran seien. (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: Atomstreit mit Iran)

          Weitere Themen

          Merkel empfängt Macron Video-Seite öffnen

          Libyen-Konferenz : Merkel empfängt Macron

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron zur internationalen Libyen-Konferenz im Kanzleramt empfangen. Seit Jahren tobt in Libyen ein verworrener Bürgerkrieg - die Bundesregierung bringt die Akteure in dem Konflikt an einen Tisch.

          Topmeldungen

          In der Facebook-Zentrale in in Menlo Park, Kalifornien

          Facebook-Manager : Aufspalten ist nicht die Lösung

          Der größte Nachteil für europäische Tech-Unternehmen im Vergleich zu ihren Wettbewerbern in China und Amerika ist der fehlende riesige Binnenmarkt. Ein Gastbeitrag.

          Französische Vorstädte : Straßenkampf in der Banlieue

          In den französischen Vorstädten kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Die Staatsgewalt fühlt sich nicht respektiert und schlecht ausgestattet. Unterwegs mit Einsatzkräften nordwestlich von Paris.

          EM-Schock für Handball-Team : Brutale Schlusspointe

          Dass beim Handball in 15 Minuten mehr passieren kann als in anderen Sportarten in drei Spielen, bekommen die Deutschen bei der EM gegen Kroatien bitter zu spüren. Am Ende gibt es einen verhängnisvollen Spannungsabfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.