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Rechtsradikale Störer : Zusammenstöße bei Protesten gegen Rassismus in London und Paris

  • Aktualisiert am

Stuttgart, Cannstatter Wasen: Mit englischen Schildern gegen deutschen Rassismus Bild: AFP

In Stuttgart und anderswo in Europa wurde am Samstag friedlich gegen Rassismus protestiert. In England und Frankreich aber marschierten auch Rechtsradikale auf.

          2 Min.

          In vielen europäischen Städten ist am Samstag gegen Rassismus demonstriert worden. Während deutsche Demonstrationen unter anderem in Stuttgart, Hamburg und Lübeck ohne Zwischenfälle verliefen, kam es in London und in Paris zu Auseinandersetzungen mit rechtsradikalen Gegendemonstranten.

          Auf dem Trafalgar Square im Londoner Stadtzentrum gerieten zwei Gruppen von jeweils etwa 100 Personen aneinander und wurden von der Polizei getrennt. Die einen skandierten „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen), die anderen riefen rassistische Bemerkungen. Teilweise kam es zu Handgreiflichkeiten; Flaschen und Dosen wurden geworfen, Feuerwerkskörper gezündet. Die Polizei setzte Hunde und Pferde ein. Nach Angaben der Behörden hatten manche Teilnehmer Waffen zu den Demonstrationen mitgebracht.

          An mehreren Statuen in Westminster hatten sich Rechtsextremisten versammelt, vorgeblich, um die Denkmäler vor linkem Vandalismus zu beschützen. Auch in Großbritannien hatten antirassistische Demonstranten zuletzt Denkmäler zerstört, die an Persönlichkeiten aus der Kolonialgeschichte erinnern.

          Angespannte Stimmung: Demonstration gegen Rassismus auf dem Londoner Trafalgar Square
          Angespannte Stimmung: Demonstration gegen Rassismus auf dem Londoner Trafalgar Square : Bild: AFP

          Mehrere Londoner Denkmäler waren vorsorglich verpackt worden, darunter eine Statue des einstigen Premierministers Winston Churchill, auf die jemand vergangenes Wochenende das Wort „Rassist“ geschrieben hatte. Auf dem Parliament Square versammelten sich Hunderte von Menschen in Fußballtrikots, die „England, England“ riefen. Sie „bewachten“ dort das Londoner Kenotaph, ein Denkmal zu Ehren der in der Fremde gefallenen Soldaten.

          Die britische Innenministerin Priti Patel teilte auf Twitter ein Video, das zeigt, wie rechtsextreme Demonstranten Polizisten anpöbelten. Sie sprach von „absolut inakzeptabler Gewalt“. Patel forderte die Demonstranten auf, nach Hause zu gehen und angesichts der Corona-Pandemie „Leben zu schützen“. Demonstranten aus beiden Lagern hatten Abstandsgebote missachtet.

          „England, England“: Gegendemonstranten „bewachen“ das Londoner Kenotaph
          „England, England“: Gegendemonstranten „bewachen“ das Londoner Kenotaph : Bild: AP

          In Paris löste die Polizei wegen der Pandemie eine Demonstration Tausender Personen auf, die gegen Rassismus protestieren wollten. Sie wurden daran gehindert, vom Place de la République zur Oper zu marschieren. Die Polizei verwies auf das nach wie vor geltende Verbot von Großveranstaltungen und setzte Tränengas ein. Das höchste Verwaltungsgericht in Frankreich setzte das Demonstrationsverbot später am Abend aus. Das Gericht folgte den Beschwerden, laut denen das pauschale Verbot eine unverhältnismäßige Beeinträchtigung der Grundrechte darstelle. Das Verbot angefochten hatten die Gewerkschaften und ein individueller Antragsteller.

          Zuvor hatte eine Aktion der rechtsextremistischen Gruppe „Identitäre Generation“ unter den zu einem großen Teil schwarzen Demonstranten für Empörung gesorgt. Sie Rechtextremisten an einem Gebäude ein großes Transparent enthüllt, auf dem der „anti-weiße Rassimus“ beklagt wurde. Auf dem Dach des Gebäudes kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen Anhängern beider Lager.

          Rechtsradikale Provokation in Paris: „Identitäre“ fordern „Gerechtigkeit für die Opfer des anti-weißen Rassismus“.
          Rechtsradikale Provokation in Paris: „Identitäre“ fordern „Gerechtigkeit für die Opfer des anti-weißen Rassismus“. : Bild: AFP

          Der Pariser Protest wurde von Unterstützern Adama Traorés angeführt, einem 24 Jahre alten schwarzen Franzosen, der 2016 nach seiner Festnahme starb. Dessen Schwester Assa sagte an die Demonstranten gewandt: „Wir fordern alle die gleiche Sache – Gerechtigkeit für jeden“. Ein riesiges Porträt zeigte zur Hälfte Adama Traoré und zur anderen den in Minneapolis von einem weißen Polizisten getöteten Afroamerikaner George Floyd. Ihr Bruder sei genau wie Floyd in Handschellen gelegt und von der Polizei zu Boden gedrückt worden, bevor er starb, sagte Assa Traoré. Ein im Mai veröffentlichter Abschlussbericht hatte den drei Polizisten in dem Fall bescheinigt, sie hätten sich nicht falsch verhalten.

          Diesmal ging es um eine andere Art von Hygiene: Friedliche Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart
          Diesmal ging es um eine andere Art von Hygiene: Friedliche Kundgebung auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart : Bild: dpa

          In Stuttgart hatten am Samstagvormittag etwa 2000 Menschen friedlich George Floyds gedacht und gegen Rassismus in Deutschland protestiert. Viele ihrer Schilder waren auf Englisch beschriftet. Eine 24 Jahre alte schwarze Rednerin sagte auf dem Cannstatter Wasen, sie sei in Deutschland geboren, müsse sich aber immer wieder beweisen. Die Veranstalter riefen die Teilnehmer wiederholt dazu auf, die wegen des Coronavirus angeordneten Abstände einzuhalten.

          Mehr als 500 Menschen protestierten am Samstag in Lübeck. In Hamburg fand nur eine von zunächst zwei angekündigten Kundgebungen zugunsten der „Black Lives Matter“-Bewegung statt; die Polizei sprach von etwa 250 Teilnehmern.

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