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Rückzug aus Syrien : Die Bedrohung des IS ist lebendig

Amerikanische Truppen in den Außenbezirken von Manbij, Syrien Bild: dpa

Trumps Entscheidung zum Rückzug aus Syrien hat auch für westliche Verbündete Folgen. Denn nicht nur Washington kämpft in dem Land mit Soldaten und Spezialkräften gegen den IS.

          Der amerikanische Abzug aus Syrien hat begonnen – rund drei Wochen nachdem Präsident Donald Trump diese Entscheidung verkündet hat, die bei vielen Verbündeten Irritation und Kritik hervorrief. Nach Informationen dieser Zeitung wurde am Freitag ein Flughafen in der Stadt Rmeilan in der ostsyrischen Provinz Hassakeh für Transporte benutzt. Es gab zunächst jedoch keine Berichte darüber, dass auch schon Truppen das Land verließen. Der Sprecher der von Washington geführten internationalen Koalition gegen den „Islamischen Staat“ (IS) sagte am Freitag in Bagdad lediglich, der „Prozess“ des Rückzugs aus Syrien habe begonnen. Aus Sicherheitsgründen würden aber keine Angaben zu „konkreten Zeitplänen, Orten oder Truppenbewegungen“ gemacht. Die amerikanische Zeitung „New York Times“ schrieb unter Berufung auf zwei ungenannte Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums, zunächst werde nur Gerät abgezogen.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

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          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die amerikanischen Streitkräfte haben die Möglichkeit, Gerät und Soldaten mit Flugzeugen und Hubschraubern außer Landes zu bringen. 2016 war gemeldet worden, dass das amerikanische Militär von dem Flughafen Rmeilan aus operiert, der zuvor vom syrischen Regime für landwirtschaftliche Transporte genutzt worden war. Ein weiteres Flugfeld, welches das amerikanische Militär nutzt, liegt nach übereinstimmenden Berichten südöstlich von Kobane.

          Unsicherheit betrifft auch westliche Verbündete

          Unklar ist weiterhin, wie lange der Abzug der etwa 2000 amerikanischen Soldaten in Syrien dauern soll. Präsident Trump hatte seine ursprüngliche Aussage, der Abzug werde „schnell“ vonstattengehen, später eingeschränkt und von einem „angemessenen Tempo“ gesprochen. Sein Sicherheitsberater John Bolton hatte sogar erklärt, erst müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein, etwa eine Garantie der Türkei für die Sicherheit der mit den Amerikanern verbündeten Kurdenmiliz YPG. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums in Moskau sagte nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax am Freitag, Russland habe Zweifel daran, dass die Vereinigten Staaten tatsächlich bald aus Syrien abziehen würden.

          Die Unsicherheit über den amerikanischen Rückzug gilt jedoch selbst für Verbündete Washingtons. Denn neben den Vereinigten Staaten sind auch andere westliche Staaten mit Kampftruppen in Syrien vertreten – und Trumps Entscheidung hat für sie erhebliche Folgen.

          In Frankreich bemüht sich die Regierung, die Folgen des amerikanischen Abzugs nicht zu dramatisieren. Im Gespräch mit dem Fernsehsender CNews sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian, dass die französische Armee ohnehin „nur in sehr bescheidenem Umfang“ und „in Begleitung Amerikas“ in Syrien präsent sei. Er erwähnte keine Zahlen. 1200 Franzosen sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums für die Luftoperationen der Anti-IS-Koalition im Einsatz, die 2014 zum Antiterrorkampf in Syrien und im Irak begründet wurde. Aus Sicherheitskreisen heißt es übereinstimmend, dass darüber hinaus etwa 200 französische Spezialkräfte an neun unterschiedlichen Standorten in Syrien präsent seien.

          Der nach Trumps Entscheidung zurückgetretene amerikanische Verteidigungsminister James Mattis hatte im April von einer französischen Truppenverstärkung in Nordsyrien gesprochen. Von 50 französischen Kommandos, also kleinen Gruppen von Soldaten, war die Rede. Dabei geht es um den Schutz französischer Interessen wie der Zementfabrik der Firma Lafarge nahe Harab Isk, der Ölfelder von Kabiba oder der Stabilisierung in der Stadt Rakka, in der die Auftraggeber der Terroranschläge von Paris vom November 2015 ihren Rückzugsort gefunden hatten.

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