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Reaktionen in Israel : „An der Bedrohung hat sich nichts geändert“

Machtdemonstration: Dieses Bild einer Militärübung im Süden Irans ließ die staatliche Agentur Fars an diesem Mittwoch verbreiten Bild: AFP

Was nach der Wahl in Iran geschah, hatte in Israel niemand vorherzusagen gewagt. Zwar beobachten Geheimdienste und Regierung mit Argusaugen das Atomprogramm Teherans. Von der Eskalation wurden die meisten Iran-Kenner aber überrascht.

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          Was nach der Wahl in Iran geschah, hatte in Israel niemand vorherzusagen gewagt. Wohl kein anderes Land in der Region beobachten Geheimdienste und Regierung so genau wie die Islamische Republik. Aber die Aufmerksamkeit gilt fast ausschließlich dem Atomprogramm, von dem sich Israel bedroht fühlt. Von der innenpolitischen Eskalation wurden deshalb die meisten Iran-Kenner überrascht und dafür in der Öffentlichkeit zum Teil heftig gescholten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der israelische Journalist und Autor Ronen Bergman, der zu den führenden Geheimdienstexperten des Landes gehört, schließt sich jedoch der Kritik der Dienste nicht an. Noch wenige Tage vor der iranischen Revolution in Iran habe der amerikanische Geheimdienst CIA, der dort gut 5000 Informanten gehabt habe, dem Schah noch mindestens zehn weitere Jahre im Amt vorausgesagt hatte, erinnert sich Bergman.

          „Ein schwerer Schlag für das iranische Regime“

          Die andauernden Unruhen der vergangenen Tage hält er nicht für das Vorspiel eines bevorstehenden Umsturzes, auch wenn der oberste religiöse Führer Chamenei dadurch geschwächt worden sei: „Es war ein schwerer Schlag für das iranische Regime, aber es kontrolliert weiterhin vollständig den Sicherheitsapparat. Aus israelischer Sicht hat sich auch an der existentiellen Bedrohung nichts geändert, die von Iran ausgeht“, fügt Bergman mit Blick auf das Atomprogramm hinzu. Was sich in Teheran derzeit abspiele, sei ein „Kampf innerhalb der Familie“. Aber auch Politiker wie Ahmadineschads Herausforderer Mussawi stellten das islamische Regime nicht in Frage; alle Mitglieder der Führungsschicht, die an der Revolution beteiligt waren, seien sich darin einig, dass Iran über Atomwaffen verfügen müsse. Nach Bergmans Ansicht hält sich Israel deshalb die Möglichkeit offen, die iranischen Atomanlagen anzugreifen, sollte der Dialog, den Amerika Iran angeboten hat, keine Ergebnisse bringen.

          Auch David Menashri, der an der Universität Tel Aviv das Zentrum für Iran-Studien leitet, erwartet nicht, dass die jüngsten Entwicklungen am „nationalen Konsens“ etwas ändern, nach dem Iran das Recht hat, eine Atommacht zu werden. In Israel sei aber die Sorge zu hören, dass sich die Unruhen über Monate hinziehen könnten und Iran dadurch Zeit gewinnt, sein Atomwaffenprogramm voranzutreiben.

          Zugleich sieht Menashri in möglichen Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung die Kompromissbereitschaft von Präsident Ahmadineschad schwinden: Ihm könnte ein Entgegenkommen nach den Zweifeln an seinem Wahlsieg als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden, was er natürlich auf keinen Fall wolle. Die jüngste Schwächung der Führung in Teheran könnte nach Einschätzung von Eyal Zisser die Verbündeten Teherans zu spüren bekommen. Da das Regime, das an Legitimität verloren habe, stärker mit sich selbst beschäftigt sei, könnte es sich vielleicht weniger intensiv um Syrien, die Hizbullah und die Hamas bemühen, vermutet der Direktor des „Moshe-Dayan-Zentrum für Mittelost- und Afrika-Studien“ an der Universität Tel Aviv. Das könnte dazu führen, dass Damaskus größere Offenheit in Friedensgesprächen zeige. Erkennbar beunruhigt scheinen aber bisher die palästinensischen Verbündeten Irans nicht zu sein. Auf der Hamas nahestehenden Internetseiten gibt es jedenfalls keine größeren Debatten über die Lage in Iran und mögliche Folgen. Aber auch in anderen palästinensischen Medien finden die Unruhen in Teheran deutlich weniger Niederschlag als in Israel oder im Westen.

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