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Reaktionen auf Rouhanis Wahl : „Er ist unsere einzige Chance“

  • -Aktualisiert am

Hassan Rouhani Bild: AP

Überraschend deutlich hat der Kandidat des Reformlagers schon im ersten Durchgang gesiegt. In Teheran tanzten Jugendliche vor Freude auf den Straßen. Die UN forderten eine konstruktive Rolle Irans in der internationalen Politik.

          Der künftige iranische Präsident Hassan Rouhani hat einen moderateren Ton in der Außenpolitik in Aussicht gestellt. Sein  Wahlsieg sei auch ein Sieg der Mäßigung über den Extremismus, sagte Rouhani in der Nacht zum Sonntag. Es gebe somit auch eine neue Chance in den internationalen Beziehungen für diejenigen, die Demokratie, Zusammenarbeit und freie Verhandlungen wirklich respektierten.

          Der als moderat geltende Geistliche hatte sich in der Präsidentenwahl am Samstag überraschend deutlich gegen die konservativen Favoriten durchgesetzt. Der 64 Jahre alte Rouhani wird im August Nachfolger von Mahmud Ahmadinedschad, der nach zwei Amtszeiten bei der Wahl nicht mehr antreten durfte und in der Außenpolitik häufig einen aggressiven Ton angeschlagen hatte.

          Freudentänze auf den Straßen

          Unmittelbar nach der offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses am Samstag strömten zehntausende Anhänger Rouhanis auf die Straßen und feierten den Sieg. In Teheran fuhren Hunderte Jugendliche hupend durch die Stadt, tanzten auf den Straßen und tranken öffentlich Alkohol. Viele trugen grüne Bänder, was seit der blutigen Niederschlagung der Proteste von 2009 als gefährlich gilt, manche skandierten „Ahmadinedschad, geh' zurück in den Zoo“

          Anhänger Rouhanis auf den Straßen von Teheran bejubeln dessen Wahlsieg

          Tamineh, eine junge Journalistin in Teheran, sagte gegenüber FAZ.NET: „Rouhani ist nach dem Ausschluss von Rafsandschani unsere einzige Chance, dass sich die Lage im Land verbessert. Meine Freunde und ich haben ihn unterstützt, weil wir glauben, dass er in Dialog mit dem Westen treten wird. Hätte Dschalili gewonnen, hätte es furchtbare Konsequenzen für uns junge Leute bedeutet. Wir wollen nur frei sein, wie andere Menschen in anderen Ländern.“

          Skeptisch äußerte sich dagegen der junge Ingenieur Mohsen: „Ich habe nicht gewählt, obwohl mir Ärger droht, wenn ich keinen Stempel im Ausweis habe. Meine Mutter hat mich mehrfach dazu gedrängt, wählen zu gehen. Aber die Entscheidungen werden eh von Chamenei und nicht von Rouhani getroffen. Die Wahl des Präsidenten ist eine Farce. Die jungen Leute glauben, dass sich etwas verändert, aber es wird sich nichts ändern.“

          Religionspolizei löst spontane Feiern auf

          Die Religionspolizei reagierte zunächst sehr zurückhaltend, ging ab zwei Uhr Ortszeit aber gegen den Auflauf vor und setzte Schlagstöcke ein, mit denen sie im Vorbeifahren auf Motorrädern an die Autos schlug, um die Gruppen aufzulösen. Infolge des Alkoholkonsums gab es ein paar Unfälle zwischen Lastkraftwagen und Autos von jungen Leuten.

          Die Kurse von Euro und Dollar sanken nach dem Ergebnis. In den vergangenen Tagen hatten viele Leute noch Dollar gegen Rial getauscht, weil sie offenbar mit dem Sieg und einem damit einhergehenden Kursabfall gerechnet hatten.

          Während in Iran noch der Sieg des Kandidaten des Reformlagers gefeiert wurde, kamen schon die ersten Forderungen an den neuen Staatschef Hassan Rouhani. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte Rouhani am Samstagabend und erklärte zugleich, er erwarte von ihm „eine konstruktive Rolle in regionaler und internationaler Politik“. In der in New York verbreiteten Erklärung hieß es weiter, Ban wolle mit den iranischen Behörden und Rouhani „in Fragen von Bedeutung für die internationale Gemeinschaft und für das Wohl des iranischen Volkes“ in Kontakt bleiben.

          Die amerikanische Regierung bekräftigte ihr Interesse an einer diplomatischen Beilegung des Atomstreits mit Teheran. Die Vereinigten Staaten seien weiter zu direkten Kontakten mit der iranischen Regierung bereit, heißt es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Zum Wahlsieg Rouhanis hieß es lediglich, man respektiere die Entscheidung des iranischen Volkes.

          Rouhani hatte die Wahl auf Anhieb mit 50,7 Prozent der Stimmen gewonnen. Insgesamt hatten sich sechs konservative Kandidaten um die iranische Präsidentschaft beworben. Rund 50 Millionen Iraner waren am Freitag aufgerufen, inmitten einer schweren Wirtschaftskrise und des Atomstreits mit dem Westen einen neuen Präsidenten zu wählen. Der als gemäßigt geltende Rouhani war früher Chefunterhändler in den Atomgesprächen mit dem Westen. Als Präsident will er ein Ende der internationalen Isolierung des Landes erreichen.

          Israel verlangt Ende des Atomprogramms

          Doch auch mit Rouhani als neuem Präsidenten ist kein radikaler Wechsel in der iranischen Außen-, Sicherheits- und Atompolitik zu erwarten. Bei allen Entscheidungen in diesen Feldern hat der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei das letzte Wort. Der Präsident kann aber innerhalb eines ideologisch vorgegebenen Spielraums Akzente setzen.

          Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu verlangte in einer ersten Reaktion ein Ende des umstrittenen iranischen Atomprogramms. „Iran muss der Forderung der internationalen Gemeinschaft nachkommen und sein Atomprogramm sowie die weltweiten terroristischen Aktivitäten stoppen“, sagte Netanjahus Sprecher Ofir Gendelman am Samstag. Israel betrachtet Iran als größte Bedrohung seiner Existenz.

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