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Reaktionen auf Chiracs Tod : „Ein Teil meines Lebens ist heute verschwunden“

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Sinnbilder deutsch-französischer Freundschaft: Der französische Präsident Jacques Chirac (links) und Bundeskanzler Gerhard Schröder 2005 im nordrhein-westfälischen Bomberg. Bild: dpa

Er galt als großer Staatsmann, begnadeter Charmeur und überzeugter Europäer – weltweit sorgt der Tod Jacques Chiracs für Betroffenheit. Die ersten Reaktionen.

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          Politiker in ganz Europa zeigen sich bestürzt über den Tod des früheren französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac. Sein Nachfolger im Amt des Staatsoberhaupts Nicolas Sarkozy schrieb auf Twitter: „Ich bin sehr traurig. Auch ein Teil meines Lebens ist heute verschwunden.“ Chirac sei der Grund gewesen, weshalb Sarkozy Frankreich dienen wollte. Zwar könne es sein, „dass wir uns politisch auseinanderentwickelt haben, aber ich habe nie vergessen, was ich ihm verdanke und was er für dieses Land getan hat“, schrieb Sarkozy weiter.

          Sarkozy galt lange als politischer Ziehsohn Chiracs. Mit dem politischen Aufstieg Sarkozys aber zerwarf sich ihre Beziehung. So sagte Chirac 2012, er werde im laufenden Präsidentschaftswahlkampf Sarkozys Herausforderer François Hollande unterstützen. Gleichzeitig hatten beide in den vergangenen Jahren betont, dass sie weder „Ressentiments“ noch „Hass“ füreinander empfänden.

          Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte Jacques Chirac als großen Europäer: „Ihm war klar, dass Europa nur gut funktionieren kann, wenn Deutschland und Frankreich sich einig sind“, sagte Schröder am Donnerstag in Berlin. „Die symbolisch wichtigste Geste zeigte er am 60. Jahrestag des ,D-Day' im Jahr 2004, als er mich als Vertreter Deutschlands zur Gedenkveranstaltung in der Normandie einlud“, sagte Schröder. „Er war ein erfahrener Politiker, ein geschichtsbewusster Europäer, ein charmanter Mensch.“ Weiter sagte er, er werde „einen Mann vermissen, der mir zum Freund geworden ist.“

          Zum ersten Mal war 2004 ein deutscher Kanzler zum Jahrestags des „D-Days“ eingeladen worden. Schon 2003 riefen Schröder und Chriac zum 40. Jahrestag des Élysée-Vertrags den Deutsch-Französischen Tag aus, der seither am 22. Januar gefeiert wird. Schröder beschwor damals die deutsch-französische Freundschaft als Grundstein der Europäischen Union. Auch außenpolitisch verfolgten Schröder und Chirac eine gemeinsame Linie: So positionierten sie sich im Irak-Krieg beide gegen die Politik des amerikanischen Präsidenten George W. Bush.

          Auch Kanzlerin Angela Merkel würdigte den verstorbenen früheren französischen Präsidenten Jacques Chirac als „herausragenden Partner und Freund". „Ich trauere mit seiner Familie und mit dem französischen Volk um einen großen Staatsmann und Europäer", erklärte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag in Berlin. Merkel äußerte sich demnach auch persönlich „sehr traurig über die Nachricht vom Tod Jacques Chiracs".

          Und immer war er ein Charmeur: Jacques Chirac küsst Angela Merkel 2006 nach einem Treffen im Élysée-Palast die Hand.

          EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich bestürzt über den Tod des früheren französischen Präsidenten. Europa verliere damit „nicht nur einen großen Staatsmann", sondern Juncker persönlich auch „einen guten Freund". Der Kommissionschef sagte, Chiracs Lebenswerk und „sein Vermächtnis für Frankreich und die Europäische Union" würden „auf ewig bei uns bleiben".

          Als „visionären Staatenlenker“ bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin den im Alter von 86 Jahren verstorbenen Chirac. Erst kürzlich hatte Putin Chirac als denjenigen ausländischen Politiker bezeichnet, der ihn im Laufe seiner Karriere am meisten beeindruckt habe. Zugleich erinnerte Putin daran, dass Chirac persönlich einen großen Beitrag geleistet habe, damit sich die Beziehungen zwischen Frankreich und Russland weiter entwickelten.

          Jacques Chirac war nach Angaben seiner Familie am Donnerstagmorgen gestorben. Von 1995 bis 2007 war der konservative Politiker und frühere Pariser Bürgermeister Staatspräsident Frankreichs.

          August 1974: Premierminister Jacques Chirac bei einem Spaziergang mit seiner Frau Bernadette und Tochter Claude in der Nähe von Auron. Bilderstrecke

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