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Reaktionen auf das Geiseldrama : Abscheu in islamischen Ländern

  • Aktualisiert am

Der Kanzler will Putin keine Schuld zuweisen Bild: dpa

Die Weltöffentlichkeit zeigt kein Verständnis für die Kindermörder von Beslan. Aus Frankreich kommt Kritik am russischen Präsidenten. Kanzler Schröder spricht sich für eine „politische Lösung“ in Tschetschenien aus.

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          Die arabische und die islamische Welt hat mit Abscheu und ohne Schadenfreude auf das Ende der Geiselnahme in Beslan reagiert. Eine Verbindung zu Al Qaida und dessen Ideologie wird jedoch nicht hergestellt. Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) verurteilte die Geiselnahme als kriminellen Akt. "Solche Handlungen sind gegen die Prinzipien und Glaubenssätze des Islam gerichtet", sagte OIC-Generalsekretär Abdelwaheb Belkesis.

          Die saudische Zeitung "al Watan" schrieb, die Kinder und Lehrer von Beslan hätten sich keines Verbrechens schuldig gemacht, das dieses Blutbad hätte rechtfertigen können. Hätten die Geiselnehmer eine russische Kaserne angegriffen, wäre ihr Anliegen - "sollten sie denn überhaupt eines haben" - vielleicht noch zu verstehen gewesen. Die Tschetschenen hätten sich mit der Wahl ihres Objekts in eine Position hineinmanövriert, in der niemand mehr Tränen über ihre Bestrafung vergießen werde, schrieb die in Dschidda erscheinende "Arab News". Mit der Wahl ihres Ziels hätten sie gezeigt, daß sie den Tod Unschuldiger in Kauf genommen haben.

          Die ägyptische Zeitung "al Ahram" bezeichnete die Geiselnahme und den Tod so vieler Unschuldiger als "häßliches Verbrechen gegen die Menschheit". Die jordanische Zeitung al Dustur schreibt, die Ereignisse von Beslan riefen "in der muslimischen Welt Zorn und Abscheu" hervor. Die iranischen Zeitungen verglichen das Vorgehen Rußlands und der Vereinigten Staaten gegen den Terrorismus, die beide mit ihrem rein militärischen Ansatz nur einen Kreislauf der Gewalt in Gang setzten. Die dem Revolutionsführer Chamenei nahestehende Zeitung "Resalat" kam etwa zu dem Ergebnis, daß beide Staaten auf Gewalt mit Gewalt antworteten und daß dabei nur das Leben Unschuldiger aufs Spiel gesetzt werde.

          Putinkritik in Frankreich

          In französischen Medien wurde vor allem der russische Präsident Putin kritisiert. "Alles weist darauf hin, daß der russische Präsident Putin seinen sowjetischen Vorgängern in nichts nachsteht. Die Maskerade der Präsidentenwahlen am 29. August in Tschetschenien ist nur eine weitere Episode in Moskaus schmutzigem Krieg in dieser Region und in der Reihe der Grausamkeiten, die ihn seit Jahren begleiten", schrieb die Tageszeitung "Le Monde".

          Wie auch andere Zeitungen ist das links-bürgerliche Blatt davon überzeugt, daß die russischen Spezialtruppen die Schule auf Befehl gestürmt haben - ohne Rücksicht auf Verluste. "Jacques Chirac hat nicht gezögert, das Abenteurertum Amerikas im Irak zu kritisieren. Es würde ihn ehren, mit derselben Energie die russische Brutalität im Kaukasus zu verurteilen", führte "Le Monde" aus.

          Auch die bürgerlich-liberale Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" kritisierte die Politik Putins, die an Zeiten sowjetischer Propaganda erinnere. Zunächst sei versucht worden, die Zahl der in der Schule gefangenen Geiseln entgegen besseren Wissens niedrig zu halten; ähnliche Manipulationsversuche seien bei der Zahl der Opfer und der Verletzten zu beobachten. "Journal du Dimanche" schenkte Putin keinen Glauben, als er sagte, die Rettung der Menschenleben sei seine Priorität und die Stürmung der Schule "nicht geplant" gewesen.

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