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Reaktion in muslimischen Ländern : Arabische Binnenschau

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Der französische Präsident François Hollande empfing Ägyptens Staatsoberhaupt Abd al Fattah al Sisi am 26. November in Paris Bild: AFP

Unter den arabischen Beileidsbekundungen für die Opfer des Anschlags in Paris sucht man Bekenntnisse zur Pressefreiheit vergeblich. Stattdessen wird auf den friedlichen Charakter des Islams verwiesen.

          Ägyptens Präsident Abd al Fattah al Sisi reihte sich am Donnerstag in die Reihe der Kondolierenden ein. Dem französischen Staatsoberhaupt François Hollande sprach er sein Beileid für die Toten des Anschlags in Paris aus und sicherte ihm ägyptische Unterstützung im Kampf gegen die Drahtzieher des Attentats zu. Terrorismus sei ein „globales Phänomen“, das sich nur durch „gemeinsame internationale Anstrengungen auslöschen“ lasse, teilte er Hollande in einem Schreiben mit.

          Erst im Dezember hatte Sisis den französischen Präsidenten in Paris getroffen – als erstes europäisches Staatsoberhaupt seit seiner Wahl im vergangenen Jahr. In der französischen Hauptstadt sicherte er Hollande die Unterstützung Kairos im Kampf gegen die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) im Irak und Syrien zu. Eine Solidaritätsbekundung auch im eigenen Interesse: Auf der Sinai-Halbinsel sind die ägyptischen Sicherheitsbehörden seit 2013 in einen Krieg gegen die IS-Partnerorganisation Ansar Beit al Maqdis involviert. Im Westen wird das Land zudem von Dschihadisten aus Libyen bedroht.

          Vor Sisi hatte bereits die höchste Instanz des sunnitischen Islam, die Kairoer Al Azhar, den Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ als „kriminell“ bezeichnet und beteuert, dass „der Islam jegliche Gewalt verurteilt“. Derselben Argumentation folgte der frühere libanesische Ministerpräsident Rafiq al Hariri, der das Attentat als Angriff auf die Werte und Erziehung des Islams bezeichnete. Es schade nicht nur den muslimisch-französischen Beziehungen, sondern den „permanenten Aufrufen zu Mäßigung, Dialog und Zusammenhalt der Religionen“.

          Auch der ägyptische Journalistenverband betonte in einem Beileidsschreiben, dass die Angreifer keiner Religion angehört haben, „schon gar nicht dem Islam“. Sie seien „brutale Mörder“. Mag die Hervorhebung des Schadens für den Islam im Falle der Politiker nicht überraschen, so sticht der fehlende Verweis auf die Bedrohung der Pressefreiheit in der Stellungnahme der Medienvertreter doch ins Auge.

          Als willige Gefolgsleute des Sisi-Regimes betätigen sich große Teile der ägyptischen Presse seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi 2013. Die Organisation Reporter ohne Grenzen stuft das Land auf Platz 159 von 180 bei der Pressefreiheit ein. Dutzende Journalisten wurden seit dem Putsch gegen Mursi verhaftet.

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