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Reaktion auf Luftangriff : Pakistan boykottiert Bonner Afghanistan-Konferenz

Bundeskanzlerin Merkel bedauerte die Absage; die Bundesregierung wolle jedoch prüfen, „ob das noch revidiert werden kann“ Bild: AFP

Aus Protest gegen den Luftangriff wird Pakistan nicht an der Bonner Afghanistan-Konferenz teilnehmen. Bundeskanzlerin Merkel ist „sehr betrübt“ über die Absage.

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          Die pakistanische Regierung hat beschlossen, nicht an der Bonner Afghanistan-Konferenz am kommenden Montag teilzunehmen. Ministerpräsident Gilani begründete den Boykott mit dem Luftangriff einer Einheit der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) auf zwei pakistanische Militärstützpunkte in den Stammesgebieten. „Wir wollen mit Ehre und Würde leben“, sagte Gilani nach einer Kabinettssitzung in Lahore. Er rief das pakistanische Volk auf, sich hinter die Regierung zu stellen. Bei dem Angriff in Mohmand waren mindestens 24 pakistanische Soldaten ums Leben gekommen.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Majid Sattar

          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Die pakistanische Armee beharrte am Dienstag darauf, dass der Angriff auf ihr Territorium vorsätzlich geflogen worden sei. Alles andere hieße, „die Tatsachen zu verdrehen“, sagte Armeesprecher Abbas. Aus afghanischen und amerikanischen Sicherheitskreisen war zu hören gewesen, dass eine Einheit, die nahe der Grenze gegen die Taliban kämpfte, auch von pakistanischer Seite aus beschossen worden sei; möglicherweise habe es sich dabei um eine Falle gehalten, um pakistanische Soldaten in den Konflikt hineinzuziehen.

          Sämtliche Vereinbarungen werden angeblich überprüft

          Offiziell hatte die Nato sich für den Vorfall entschuldigt und eine Untersuchung angekündigt. Eine Kommission unter Vorsitz eines amerikanischen Brigadegenerals will nun ihre Ergebnisse bis zum 23. Dezember vorlegen, wie am Dienstag bekannt wurde. Afghanistan und Pakistan wurden aufgefordert, an der Untersuchung teilzunehmen.

          In Pakistan wurde auch am Dienstag wieder gegen das Bündnis mit den Vereinigten Staaten demonstriert. Gilani hatte angekündigt, dass es nach dem Angriff mit Amerika kein „business as usual“ mehr geben werde. Die Nachschubrouten für die Isaf blieben am Dienstag blockiert. Die Aufforderung an Amerika, den Luftwaffenstützpunkt in Belutschistan zu räumen, wurde nicht zurückgenommen. Sämtliche Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten und der Isaf werden angeblich überprüft.

          Westerwelle drängt zu „lückenloser Aufklärung“

          Bundeskanzlerin Merkel bedauerte die Absage Pakistans. Sie sei „sehr betrübt, dass heute diese Absage kam“, sagte sie in Berlin. Die Bundesregierung wolle jedoch prüfen, „ob das noch revidiert werden kann“. Sie verstehe die Sorge Pakistans nach dem tödlichen Luftangriff vom Samstag, sagte sie, „aber das sollte doch nicht den Blick dafür versperren, dass diese Afghanistan-Konferenz eine sehr, sehr wichtige Konferenz ist“.

          Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die pakistanische Absage, die bisher noch nicht offiziell übermittelt worden sei, sei bedauerlich und unzweifelhaft ein Rückschlag für die Bemühungen um einen regionalen Ausgleich. Außenminister Westerwelle dringe darauf, dass der bestürzende Vorfall von den zuständigen Stellen in der Isaf und der Nato „lückenlos aufgeklärt“ werde. Deutschland hatte als Gastgeber der Konferenz bisher große Hoffnung damit verbunden, dass alle Nachbarstaaten Afghanistans ihr Kommen zugesagt hatten, da für das Land nach Einschätzung deutscher Diplomaten nur eine politische Lösung im regionalen Kontext gefunden werden könne. Islamabad kommt nicht zuletzt wegen der im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet operierenden Taliban eine Schlüsselrolle zu.

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