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Ratko Mladic : Chronik einer Flucht

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach der Festnahme: Die FAZ.NET blickt zurück auf 16 Jahre Flucht von Ratko Mladic.

          4 Min.

          März 1943: Ratko Mladic wird in einem Dorf in der Hercegovina geboren.

          1958: Militärakademie Zemun bei Belgrad, dann Offizierslaufbahn in der Jugoslawischen Volksarmee.

          1991: Mladic wird als stellvertretender Befehlshaber eines Armeekorps im Kosovo abberufen, um den Aufstand der Krajina-Serben militärisch zu leiten. Dabei zeichnet er sich nach Augenzeugenberichten durch Mut und Brutalität aus.

          Januar 1992: Gründung der international nicht anerkannten Serbischen Republik Bosnien-Hercegovina

          Wegen Kriegsverbrechen angeklagt: Ratko Mladic
          Wegen Kriegsverbrechen angeklagt: Ratko Mladic : Bild: dpa

          März 1992: Mladics Tochter begeht im Alter von 23 Jahren Selbstmord.

          April 1992: Völkerrechtliche Anerkennung Bosniens durch die EU und die Vereinigten Staaten.

          Mai 1992: Mladic wird Chef des Generalstabs der Armee der bosnischen Serben.

          Mai 1995: Nach Bombardierungen ihrer Stellungen durch Kampfflieger der Nato nehmen bosnische Serben UN-Soldaten gefangen und ketten sie als „menschliche Schutzschilde“ an strategisch wichtigen Gebäuden an. Mladic droht mit „Terrorangriffen“ auf Hauptstädte von Staaten, die Truppen nach Bosnien entsenden.

          11. Juli 1995: Bosnische Serben unter Befehl von Mladic nehmen die formal von einem niederländischen Blauhelmbataillon geschützte muslimische Enklave Srebrenica ein. Mehr als 7.000 muslimische Männer und Jungen werden ermordet. Zwei Wochen später klagt das UN-Kriegsverbrechertribunal Mladic wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

          Juli 1996: Das Kriegsverbrechertribunal erlässt internationale Haftbefehle gegen Mladic und Radovan Karadzic.

          November 1996: Die neue serbische Präsidentin Biljana Plavsic setzt Mladic als Armeechef ab.

          April 2000: Ein Reporter der „Washington Post“ will Mladic in Belgrad bei einem Fußballspiel gesehen haben.

          Februar 2001: Berichte, Mladic sei auf einem Belgrader Friedhof gesichtet worden.

          November 2001: Laut Carla Del Ponte, der Chefanklägerin des Haager Tribunals, lebt Mladic mit Wissen der jugoslawischen Regierung in Belgrad.

          April 2002: Nach der Veröffentlichung eines Berichts zu den Vorgängen von Srebrenica tritt die niederländische Regierung unter Ministerpräsident Kok einen Monat vor den Parlamentswahlen zurück. Auch der niederländische Armeechef demissioniert.

          November 2002: Der serbische Innenminister Mihajlovic sagt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bis Mitte 2001 habe sich Mladic mit Wissen der Regierung in Belgrad aufgehalten, seine Adresse sei bekannt gewesen. „Seine Leibwächter fuhren Fahrzeuge der jugoslawischen Armee“. Da Mladic bewaffneten Schutz genoss, sei eine Festnahme aber unmöglich gewesen.

          Juni 2005: Die serbische Regierung dementiert Berichte, laut denen sie mit Mladic verhandele, um ihn zu einer freiwilligen Aufgabe zu überreden.

          Februar 2006: EU-Erweiterungskommissar Rehn droht mit dem Abbruch der Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen, sollte Mladic nicht verhaftet werden.

          März 2006: Außenminister Steinmeier schließt sich bei einem Besuch in Belgrad Rehns Drohung an. Belgrads Außenminister Draskovic sagt, Mladic werde von den serbischen Geheimdiensten gedeckt.

          Mai 2006: Mehrere mutmaßliche Fluchthelfer Mladics werden in Belgrad verhaftet. Carla Del Ponte sagt, Mladic sei in oder bei Belgrad, die Regierung habe ihn längst festnehmen können. Die EU bricht daraufhin die Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen mit Serbien-Montenegro ab. Montenegro erklärt sich für unabhängig. Serbiens Ministerpräsident Kostunica bestreitet, je einen genauen Termin für die Verhaftung Mladics genannt zu haben. Stattdessen fordert er diesen auf, sich freiwillig zu stellen. Die EU kritisiert, die serbischen Geheimdienste stünden nicht voll unter Kontrolle der Regierung. Auf der Suche nach Mladic durchkämmen Polizeieinheiten die Provinzstadt Valjevo.

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