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Rassismusdebatte : Aus der Ideenkiste Le Pens

In Frankreich umstritten: Die republikanische EU-Abgeordnete Nadine Morano Bild: Reuters

Die republikanische EU-Abgeordnete Nadine Morano bringt mit ihrem Traum von einem „weißen“ Frankreich ihren Parteivorsitzenden Nicolas Sarkozy immer mehr in Verlegenheit. Der ehemalige Präsident muss nun Farbe bekennen.

          3 Min.

          Nadine Morano bringt ihren früheren Mentor Nicolas Sarkozy immer mehr in die Bredouille. Der Parteivorsitzende sieht sich kurz vor den Regionalwahlen gezwungen zu klären, wie es die Republikaner mit den Ideen des Front National halten. Morano, deren loses Mundwerk Sarkozy einst schätzte, hatte in einer Nachtsendung Frankreich als „Land weißer Rasse“ bezeichnet.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Sie sagte, sie wolle nicht, dass Frankreich muslimisch werde. Die Europaabgeordnete hat sich seither mehrmals geweigert, ihre Worte zu widerrufen. „Ich werde mich doch nicht entschuldigen, General de Gaulle zitiert zu haben“, sagte sie trotzig.

          In der Abenddämmerung zog die Politikerin aus Lothringen kürzlich an das Grab de Gaulles in Colombey-les-Deux-Églises, ließ sich fotografieren und stellte das Bild auf ihre Facebookseite.

          „Ich gehöre nicht der Rasse der Feiglinge an, niemals werde ich General de Gaulle verleugnen, für welchen Posten auch immer“, schrieb sie darunter. Sarkozy hatte ihr vergeblich gedroht, dass sie für die Partei als Kandidatin bei den Regionalwahlen im Dezember nicht mehr tragbar sei, wenn sie sich nicht entschuldige. Am Mittwochabend wurde Morano die Kandidatur entzogen und die Lokalpolitikerin Valérie Debord nominiert.  

          Für den Parteichef hat sich „der Fall Morano“ zur Zerreißprobe entwickelt. In der Führungsriege der Republikaner wird darüber gestritten, ob Morano sich aus der Ideenkiste des FN bedient hat. Führende Stimmen wie Präsidentenanwärter Alain Juppé und Bruno Le Maire sprachen sich für eine klare Abgrenzung gegenüber der Partei Marine Le Pens aus. Schon am Dienstagabend kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung darüber bei einer Parteivorstandssitzung.

          Der frühere Parteivorsitzende Jean-Franois Copé nahm Morano in Schutz und warnte, eine „Jurisprudenz Morano“ zu schaffen. „Andere“ hätten sich auch verbal dem FN angenähert, ohne dafür bestraft zu werden. Copé berichtete anschließend der Nachrichtenagentur AFP über seinen Auftritt. Die stellvertretende Parteivorsitzende Nathalie Kusciosko-Morizet hingegen verlangte noch vor der Sitzung den Parteiausschluss Moranos. Frankreich definiere sich nicht durch Rassenzugehörigkeit.

          „Schauprozess wie zu Stalins Zeiten“

          Der frühere Premierminister Jean-Pierre Raffarin distanzierte sich ebenfalls von der Äußerung Moranos, sprach sich aber gegen einen „Schauprozess wie zu Stalins Zeiten“ aus. Ihm würde es reichen, wenn Morano sich zu den Werten der Republikaner bekenne und eine Nähe zum Front National ausschließe.

          Die Partei Sarkozys, die sich als Nachfolgeorganisation der gaullistischen Sammlungsbewegung sieht, hat bislang hilflos auf die selektive Vereinnahmung de Gaulles durch den Front National reagiert. Der stellvertretende FN-Vorsitzende Florian Philippot, ein Bewunderer des Generals, hat geschickt verstanden, gewisse Äußerungen de Gaulles für seine Propaganda zu vereinnahmen.

          Dazu zählt das Zitat, das Biograph Alain Peyrefitte de Gaulle in seinem Buch „Das war de Gaulle“ zuschrieb: „Es ist sehr gut, dass es gelbe, schwarze und braune Franzosen gibt. (...) Aber unter der Bedingung, dass sie eine Minderheit bleiben. Sonst wäre Frankreich nicht mehr Frankreich. Wir sind noch vor allem ein europäisches Volk von weißer Rasse, von griechischer und römischer Kultur und christlicher Religion.“

          Auf dieses umstrittene Zitat beruft sich auch Morano. Die frühere Ministerin sagte, dass sie Zehntausende Unterstützerschreiben von Parteianhängern erhalten habe. Mit dem FN habe sie nichts zu tun. Der Schriftsteller Alain Finkielkraut von der Académie Franaise sprang für sie in die Bresche. „Nadine Morano hat nur etwas freizügig de Gaulle zitiert“, sagte Finkielkraut im Radio. Der Unsterbliche beklagte, der Antirassismus in Frankreich sei „verrückt geworden“. Die Jagd nach mutmaßlichen Rassisten werde immer wilder, beklagte er.

          Beifall von Brigitte Bardot

          Die Schauspielerin Brigitte Bardot sandte einen Brief. „Chère Nadine, es ist empörend, was Ihnen widerfährt“, schrieb die Leinwandikone („Immer lockt das Weib“). Sie habe sich die Sendung angesehen, und „ich war stolz auf Sie, und ich bin nicht die Einzige. Unterwerfen Sie sich nicht!“ Bardot liebäugelt seit längerem mit den Ideen des Front National.

          Zu ihren Unterstützern rechnet Morano auch Charles de Gaulle, den Enkel des Generals. Der Mann mit dem wohlklingenden Namen hatte zuletzt bei den Kommunalwahlen von sich reden gemacht, als er für den FN in Paris antrat. Morano plant weiterhin, bei den Vorwahlen ihrer Partei im November nächsten Jahres zu kandidieren.

          Sie drohte Sarkozy, sich nicht weiter mit ihr anzulegen: „Wenn Sarkozy 2017 antreten will, kann er das gleich vergessen. Den mache ich fertig. Nadine Morano ist eine ungesicherte Handgranate!“

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