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Rassismus-Demo in Paris : Wenn Frankreichs Polizei durchgreift

Demo gegen Polizeigewalt und Rassismus vor einem Pariser Gericht am Dienstag Bild: AFP

Auch die französische Polizei hat ein Rassismus-Problem. Deshalb gingen in Paris 20.000 Menschen auf die Straße. Den Finger in die Wunde legt ausgerechnet ein bekehrter Hardliner.

          5 Min.

          Minneapolis ist plötzlich ganz nahe, als Assa Traoré zum Mikrophon greift. Die 34 Jahre alte Französin kämpft seit fast vier Jahren um „Wahrheit und Gerechtigkeit für Adama“, ihren jüngeren Bruder, der nach seiner Festnahme im Juli 2016 starb. „Das ist heute nicht mehr nur der Kampf der Familie Traoré, es ist unser aller Kampf. Wenn wir heute für George Floyd kämpfen, kämpfen wir für Adama Traoré“, ruft die junge Frau in die kompakte Menschenmenge, die sich trotz Demonstrationsverbots am Dienstagabend am neuen, gläsernen Justizpalast in Paris versammelt hat. „Alle hassen die Polizei“, skandieren einige Demonstranten.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Französin mit malischen Wurzeln ist davon überzeugt, dass ihr Bruder bei der Festnahme von den Beamten am Boden erdrückt wurde, bis sein Atem aussetzte – ähnlich wie George Floyd. Ein unabhängiges medizinisches Gutachten ist zu dem Schluss gekommen, dass der Tod Adama Traorés durch „mechanisches Ersticken“ ausgelöst wurde. „I can’t breathe“ und andere englischsprachige Slogans stehen auf den Plakaten und Spruchbändern der Demonstranten. Bewusst wird der Bogen zu den Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus in den Vereinigten Staaten geschlagen. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass Assa Traoré seit längerem Kontakte zur „Black Lives Matter“-Bewegung geknüpft hat und sich von deren Methoden hat inspirieren lassen. Die Sängerin Camélia Jordana hat ein Musikvideo produziert, viele Teilnehmer tragen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Gerechtigkeit für Adama“. Schauspieler wie Omar Sy und Sportler wie der Fußballer Kylian Mbappé haben Solidarität mit Adama bekundet, „unser George Floyd“.

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