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Rasim Ljajic : Der Belgrader Mladic-Jäger

Einen hat er schon: Ljajic mit Foto Karadzics am 22. Juli 2008 in Belgrad Bild: AP

Ein Jahr nach der Verhaftung von Karadzic befindet sich Ratko Mladic, der in Srebrenica mehr als 7000 Menschen ermorden ließ, weiter auf der Flucht. Doch ein muslimischer Minister ist dem untergetauchten General auf der Spur.

          Es ist nicht einmal zwanzig Jahre her, und doch klingt es wie ein Schauermärchen aus längst versunkenen Zeiten, wenn Rasim Ljajic berichtet, was damals geschah.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          „Zu Beginn der neunziger Jahre war es schwer, sehr schwer. Novi Pazar und andere Orte bei uns waren von Panzern umstellt. In Bosnien herrschte schon Krieg und viele dachten, danach seien wir an der Reihe. Milosevic hatte bereits damit begonnen, Waffen und Armeeeinheiten in den Sandzak zu verlegen“.

          Eine dritte Front im Sandzak

          Der Sandzak, die teils zu Montenegro, teils zu Serbien gehörende Heimatregion von Rasim Ljajic, galt tatsächlich als möglicher Ausgangspunkt eines weiteren Belgrader Krieges. Das Gebiet wird mehrheitlich von Muslimen bewohnt, und es mangelte nicht an serbischen Nationalisten, die auch dort eine „ethnische Säuberung“ anstrebten.

          Gibt nicht auf: Rasim Ljajic

          Der muslimische Keil zwischen Serbien und Montenegro müsse endlich beseitigt werden, lautete die Losung der dunklen Stunde, und bald setzte Milosevics Staat auch im Sandzak seine Unterdrückungsmaschinerie in Gang. Repressalien der Polizei, Hausdurchsuchungen und willkürliche Festnahmen gehörten zum festen Repertoire.

          Eine besonders heimtückische Maßnahme bestand darin, junge Muslime zum Militärdienst einzuberufen und das Gerücht zu streuen, sie seien für einen Einsatz gegen die muslimische Bevölkerungsgruppe in Bosnien vorgesehen. Das eigentliche Ziel der Aushebungen bestand indes darin, die Muslime dazu zu bringen, sich der Einberufung durch Flucht ins Ausland zu entziehen, um sie auf diese Weise loszuwerden.

          Zwischen allen Stühlen

          Auch Ljajic, Jahrgang 1964, erhielt einen Einberufungsbescheid, doch er hielt dem Druck stand. „Ich habe das Land nicht verlassen. Aber ich habe auch gesagt, dass ich weder in Kroatien noch in Bosnien in Milosevics Kriegen kämpfen werde“. Das sagt sich heute leicht, doch Anfang der neunziger Jahre gehörte Mut dazu, eine solche Haltung zu vertreten.

          In gewisser Weise saß Ljajic damals zwischen allen Stühlen, denn obwohl er seine Abneigung gegen das Regime Milosevics nicht verhehlte, versuchte er als Generalsekretär der größten von Muslimen unterstützten politischen Partei im Sandzak mäßigend auf seine Leidensgenossen einzuwirken: „Manche wollten den nationalen Radikalismus Milosevics mit radikalen Mitteln beantworten, aber davor habe ich immer gewarnt. Das wäre Wasser auf Milosevics Mühlen gewesen“.

          Einigen extremistischen Muslimführern im Sandzak und in Bosnien diese gemäßigte Haltung nicht, sie verunglimpften ihren Vertreter als Verräter. Doch heute kann Ljajic sich bestätigt sehen - anders als in Bosnien gibt es im Sandzak keine Massengräber, die von vergangenen Massakern künden. Die Mördertruppen des Generals Mladic verschonten die Region.

          Kooperation mit Den Haag

          Angespannt blieb die Lage im Sandzak dennoch bis zum Oktober 2000, als Slobodan Milosevic gestürzt wurde. Erst in den Jahren danach verlor sich langsam der psychologische Druck, der auf den Muslimen des Sandzak gelastet hatte. Für Ljajic begann in dieser Zeit eine politische Karriere, die ihn innerhalb weniger Jahre zu einem der bekanntesten und (zumindest bei den „Proeuropäern“) auch zu einem der beliebtesten Politiker des Landes machte.

          Er ging nach Belgrad und wurde im Kabinett des Reformers Zoran Djindjic Minister für Menschenrechte und Minderheiten, später übernahm er die Zuständigkeit für Arbeit und Soziales. Doch zu einer Berühmtheit im Lande wurde Ljajic durch eine andere Aufgabe: Er koordiniert die Zusammenarbeit Serbiens mit dem Haager Tribunal für das ehemalige Jugoslawien und ist damit verantwortlich für die Fahndung nach Mladic.

          Für Serbien ist Ljajic in dieser Position schon deshalb eine Idealbesetzung, weil er sich als erster Mladic-Jäger in Belgrad durch ein in der Politik rares Gut auszeichnet - Glaubwürdigkeit. Auch im Haag kennt man seine Lebensgeschichte und nimmt ihm nicht zuletzt deshalb ab, dass er Mladic tatsächlich vor Gericht sehen will.

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