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Ramadan in Indonesien : Riskante Reisewelle

In Indonesiens Hauptstadt Jakarta ist das öffentliche Leben eingeschränkt, der Nahverkehr wurde zum Teil ausgesetzt. Bild: Reuters

Indonesien will Millionen Menschen die Heimreise im Ramadan erlauben, obwohl es viele unerkannte Corona-Fälle geben dürfte. Aber Präsident Widodo fürchtet den Volkszorn. Auch sonst ist sein Krisenmanagement dürftig.

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          Die 32 Jahre alte Indonesierin Bening Rara verbringt das Ende des Fastenmonats Ramadan normalerweise bei ihren Großeltern im Osten der Insel Java. Doch wegen der Corona-Pandemie hat die Familie entschieden, dieses Jahr auf den Besuch zu verzichten. „Wir haben Angst, dass wir das Virus in ihr Haus oder in ihre Stadt bringen. Deshalb haben wir die Reise abgesagt. Auch die meisten anderen Familienmitglieder haben abgesagt“, berichtet die Mitarbeiterin einer Werbeagentur telefonisch aus der Hauptstadt Jakarta, wo sie mit ihren Eltern lebt. „Es fühlt sich nicht wie der Ramadan an, wenn wir nicht die Familie sehen und zusammen feiern können“, sagt Rara. Nun will die Familie wenigstens über eine Plattform für Videokonferenzen zusammenfinden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Doch in dem mehrheitlich muslimischen Land werden voraussichtlich nicht alle so verantwortungsvoll handeln. Traditionell reisen jedes Jahr Millionen Indonesier in ihre Heimatdörfer, um mit ihren Familienangehörigen das Fastenbrechen zu begehen. In diesem Jahr liegt der Termin Ende Mai. Die Angst ist groß, dass die nun anstehende Reisewelle zu einer Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beitragen könnte. Durch die „Mudik“, wie die Heimreise zum Ramadan in Indonesien genannt wird, könnte es in die entlegensten Gebiete des Landes mit 17.000 Inseln getragen werden. Dann wäre die Epidemie wohl kaum noch zu kontrollieren.

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