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Raketeneinschlag in Polen : Hinweise auf Flugabwehrrakete aus der Ukraine

Die Polizei am Tag nach dem Raketeneinschlag in Przewodow Bild: Reuters

Das Geschoss, das in Ostpolen zwei Menschen getötet hat, könnte eine ukrainische Abfangrakete russischer Bauart gewesen sein. Der amerikanische Präsident Biden soll in Bali von entsprechenden Hinweisen gesprochen haben.

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          Die Explosion in einem polnischen Dorf im Grenzgebiet zur Ukraine ist nach Angaben der Regierung in Warschau von einer Rakete aus russischer Produktion ausgelöst worden. Der Einschlag in dem Dorf Przewodow habe sich am Dienstag um 15.40 Uhr ereignet, dabei seien zwei polnische Staatsbürger getötet worden, teilte das Außenministerium am frühen Mittwochmorgen mit.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.
          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.
          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Mit der Herkunft der Rakete ist allerdings noch nicht geklärt, welches Land sie eingesetzt hat. Sowohl die Ukraine als auch Russland verwenden Raketen sowjetischer Konstruktion. „Wir haben im Moment keine schlüssigen Beweise dafür, wer diese Rakete abgefeuert hat“, sagte Polens Präsidenten Andrzej Duda gegenüber Reportern.

          US-Präsident Biden teilte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur bei einem Treffen mit anderen Staats- und Regierungschefs von NATO- und G-7-Staaten auf Bali mit, es gebe Hinweise darauf, dass es sich bei dem Geschoss um eine Flugabwehrrakete aus der Ukraine handelt. Schon zuvor wurde ausgeschlossen, dass die Rakete von russischem Boden aus abgefeuert wurde. Es gebe entsprechende Informationen über die Flugbahn, die dem entgegenstünden, sagte Biden. Da sich zahlreiche russische Truppen auf ukrainischem Gebiet aufhalten, gibt der Abschussort jedoch keinen direkten Aufschluss auf die Kriegspartei, die das Geschoss abgefeuert hat, sagte er zuvor.

          Polen mahnt zur „Zurückhaltung“

          Der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki rief seine Landsleute zur Ruhe auf. „Ich rufe alle Polen auf, angesichts dieser Tragödie ruhig zu bleiben“, sagte Morawiecki am frühen Mittwochmorgen nach einer Krisensitzung seines Kabinetts in Warschau. „Wir müssen Zurückhaltung und Umsicht walten lassen.“ Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, Warschau habe den russischen Botschafter einbestellt. Er betonte, dass am Dienstag ein massiver Beschuss des gesamten ukrainischen Territoriums und seiner kritischen Infrastruktur durch die russische Armee zu beobachten gewesen sei. Das Dorf Przewodow liegt etwa 60 Kilometer Luftlinie entfernt von der westukrainischen Stadt Lemberg, die auch Ziel russischer Angriffe war.

          Nach dem Vorfall versetzte Polen einen Teil seiner Streitkräfte in erhöhte Bereitschaft. Dies gelte auch für andere uniformierte Dienste, sagte ein Regierungssprecher am Dienstagabend in Warschau. Es gehe dabei um bestimmte militärische Kampfeinheiten sowie die Kampfbereitschaft von Einheiten der uniformierten Dienste, sagte er, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Außerdem habe man gemeinsam mit den NATO-Verbündeten beschlossen, zu überprüfen, ob es Gründe gebe, die Verfahren nach Artikel 4 des NATO-Vertrags einzuleiten. Artikel 4 sieht Beratungen der NATO-Staaten vor, wenn einer von ihnen die Unversehrtheit seines Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht sieht.

          NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilte auf Twitter mit, er habe mit Präsident Duda über die Explosionen gesprochen und den Angehörigen der Getöteten sein Beileid ausgesprochen. „Die NATO beobachtet die Lage, und die Verbünden sind untereinander in engem Kontakt“, schrieb Stoltenberg. Es sei „wichtig, dass nun alle Fakten festgestellt werden“. In der Nacht wurde bestätigt, dass die NATO sich am Mittwochmorgen zu einer Krisensitzung im Mitgliedstaat Polen nahe der Grenze zur Ukraine treffen wird.

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