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Raketenabwehr aus Russland : Erdogans Angst

Teile des Raketenabwehrsystems S-400 aus Russland werden am 12. Juli auf Luftwaffenstützpunkt Mürted aus einer russischen Antonow entladen. Bild: dpa

Warum geben die Türken hundert supermoderne Kampfflugzeuge aus Amerika auf und kaufen stattdessen eine Raketenabwehr aus Russland? Die Antwort hängt mit dem Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten zusammen.

          Gerade sind die ersten Teile einer russischen Raketenabwehr in der Türkei eingetroffen. Der Deal soll 2,5 Milliarden Dollar wert sein. Doch dafür lässt sich Ankara ein viel größeres Geschäft entgehen: hundert F-35-Kampfflugzeuge aus Amerika für 16 Milliarden Dollar. Beides kann das Land nicht besitzen, das hat Washington dekretiert. Denn die russische Raketenabwehr könnte Daten über das modernste amerikanische Kampfflugzeug sammeln und über Schnittstellen nach Russland übertragen, die Ankara nicht kontrolliert. Die Regierung Trump ließ deshalb die Lieferung der Flugzeuge und die Ausbildung türkischer Piloten stoppen; sie wird außerdem Sanktionen gegen den Nato-Partner verhängen.

          Warum um alles in der Welt zieht Erdogan das Geschäft trotzdem durch? Einen Hinweis gibt das Lieferdatum der Raketen: kurz vor dem Jahrestag des Putschversuchs gegen den türkischen Präsidenten vor zwei Jahren. Für Erdogan war das ein traumatisches Erlebnis. Zwei von Putschisten erbeutete F-16 bedrängten seine Präsidentenmaschine in der Luft. In Ankara wurden Raketen auf das Parlament gefeuert, auch der Präsidentensitz wurde beschossen.

          Naheliegend, dass Erdogan erst mal an seinen eigenen Schutz denkt, gerade vor Hightech-Flugzeugen aus Amerika. Darauf aber ist das russische S-400-System ausgelegt. Und wo wird es stationiert? Eine Batterie an der Grenze zu Syrien, die andere bei Ankara – nahe dem Präsidentenpalast.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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