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Raketen auf Israel : Das Kalkül der Hamas

  • -Aktualisiert am

Raketenbeschuss aus dem Gaza-Streifen nach Israel am 10. Mai 2021 Bild: AP

Die Islamisten wollen ihre Position stärken, die harte Reaktion Israels war zu erwarten. Der Westen sollte sich wieder stärker in Nahost engagieren.

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          Es spricht einiges für die Deutung, dass die Hamas den Konflikt mit Israel eskaliert hat, um ihre Position zu verbessern: gegenüber der Fatah im Westjordanland und in der arabischen Öffentlichkeit. Der Kampf für die Al-Aqsa-Moschee dürfte selbst in den nahöstlichen Ländern auf Anerkennung stoßen, die sich nicht mehr stark für das Los der Palästinenser interessieren.

          Die Mittel der Hamas sind dabei drastisch. Nur in der Welt eines Islamisten kann es gerechtfertigt sein, in großem Stil Raketen auch auf bewohnte Gebiete abzufeuern, um einen Abzug israelischer Kräfte vom Tempelberg und aus einem Viertel in Jerusalem zu erreichen. Es hat einen Grund, warum die Hamas unter anderem in der EU als Terrororganisation eingestuft ist.

          Netanjahu als entschlossener Anführer

          Die harte israelische Reaktion war zu erwarten, und es ist schlimm, dass es offenbar auf beiden Seiten zivile Opfer gab. Aber dass Israel mitten in der schwierigen Suche nach einer neuen Koalition steckt, bedeutet nicht, dass das Land militärisch handlungsunfähig wäre. Netanjahu, der politisch und juristisch unter Druck steht, kann nun wieder in seiner Paraderolle als entschlossener Anführer auftreten.

          Der israelischen Politik insgesamt sollte es zu denken geben, dass es auch in arabischen Ortschaften in Israel zu Protesten kam. Das muss nicht in einer neuen Intifada enden, zeigt aber, dass die von der Siedlerbewegung getriebene Politik der vergangenen Jahre nicht ohne Folgen für den inneren Frieden des Landes bleibt. Ein Anlass der aktuellen Konfrontation sind drohende Zwangsräumungen in Ostjerusalem.

          Der Nahe Osten ist seit Jahrzehnten ein Konfliktgebiet, die Ansprüche Israels und der Palästinenser konnten trotz unzähliger Versuche bis heute nicht miteinander versöhnt werden. Das hat im Westen zu einer gewissen Müdigkeit bei dem Thema geführt, zuletzt galten andere regionale Brennpunkte als wichtiger.

          Nach dem Abgang Trumps bietet sich nun aber die Chance, wieder gemeinsam auf beide Seiten einzuwirken. Die sollte genutzt werden, denn selbst kleine Fortschritte im Palästina-Konflikt würden sich positiv auf diese höchst instabile Weltregion auswirken.

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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