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Raketeneinschlag in Polen : Die NATO muss jetzt besonnen bleiben

Die Staats- und Regierungschefs der G7 und der NATO-Staaten bei einem Krisentreffen am Rand des G20-Gipfels auf Bali Bild: dpa

Selbst wenn in Polen eine ukrainische Abfangrakete eingeschlagen sein sollte: Es ist Putin, der einen gefährlichen Grenzkonflikt mit der NATO riskiert. Dagegen hilft nur ein kühler Kopf.

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          Ist die Rakete, die am Dienstagnachmittag in einem polnischen Dorf an der Grenze zur Ukraine niederging und dabei zwei Menschen tötete, von russischen Truppen abgeschossen worden? Oder handelt es sich bei dem Flugkörper um eine Abwehrrakete auf Abwegen, mit der sich die Ukrainer gegen den eindeutig russischen Geschosshagel zu verteidigen suchten, mit dem Moskau auch den Westen des von ihm überfallenen Landes überzog?

          Am Mittwoch mehrten sich die Hinweise, das es sich bei dem Projektil um eine Flugabwehrrakete gehandelt hat, die sowohl von der ukrainischen wie auch der russischen Armee verwendet wird. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass in Polen eine russische Offensivwaffe einschlug, hätten Polen und die NATO insgesamt aber nicht anders handeln sollen, als sie bisher gehandelt haben: besonnen.

          Dass Warschau Teile seiner Armee in einen höheren Bereitschaftsgrad versetzt hat, ist eine moderate und verständliche Reaktion. Das weitere Vorgehen muss nun aber kühlen Kopfes in den Gremien des Bündnisses besprochen werden. Dafür ist schon eine Dringlichkeitssitzung in Brüssel einberufen worden.

          Absicht oder „Unfall“? Das ist jetzt wichtig

          Es spielt für die weiteren Konsequenzen eine erhebliche Rolle, worum es sich bei dem Beschuss handelte: um Absicht oder einen „Unfall“. Freilich wäre auch die Erkenntnis, dass der wild mit Raketen um sich schlagende Kreml inzwischen „Kollateralschäden“ auf polnischem Territorium in Kauf nimmt, besorgniserregend. Denn dann entstünde im doppelten Sinn des Wortes ein Grenzkonflikt zwischen der NATO und Russland, der zur Ausrufung des Bündnisfalles nach Artikel 5 führen könnte.

          Die NATO wollte und will nicht Kriegspartei werden. Ist Putin noch halbwegs bei Sinnen, dann kann auch er kein Interesse an einem militärischen Konflikt mit dem atlantischen Bündnis haben; er gewinnt nicht einmal den Krieg gegen die Ukraine, in dem er an jedem Tag einen weiteren Teil seiner Streitkräfte opfert.

          Doch zeigt die Erfahrung, dass man in seinem Fall auch mit dem rechnen muss, was aus westlicher Sicht irrsinnig erscheint. Jüngstes Beispiel: Noch während Lawrow sich auf Bali gegen die einstimmige Verurteilung des russischen Angriffskrieges stemmte, musste sich die Ukraine eines solchen Raketenschwarms erwehren, dass sogar Polen erfasst wurde. Damit hat der Kreml sich nicht nur ein weiteres Mal selbst als terroristische Macht entlarvt. Er lässt auch seine verbliebenen Unterstützer in der Staatenwelt wie willige Idioten aussehen.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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