https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/rakete-aus-nordkorea-ueber-japan-usa-beraten-ueber-handfeste-antwort-18361036.html

Nach Raketenstart über Japan : USA beraten über „handfeste“ Antwort an Nordkorea

  • Aktualisiert am

An einem Bahnhof in Seoul läuft auf einem Fernseher ein Bericht über den nordkoreanischen Raketenstart. Bild: dpa

Die USA verurteilen den Test einer ballistische Rakete über Japan – und beraten mit ihren Verbündeten über eine angemessene Antwort an Nordkorea.

          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten haben den jüngsten Raketenstart Nordkoreas verurteilt und mit Südkorea und Japan über eine Reaktion gesprochen. Der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Jake Sullivan, habe in zwei separaten Telefonaten mit seinen Kollegen über „angemessene und handfeste, gemeinsame und internationale Antworten“ beraten, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses, Adrienne Watson, am Montagabend (Ortszeit). Dabei habe Sullivan die „eisernen Versprechen“ der USA zur Verteidigung Südkoreas und Japans bekräftigt, hieß es in der Erklärung weiter

          Nordkorea hatte nach Angaben des südkoreanischen Militärs eine ballistische Mittelstreckenrakete in Richtung des Japanischen Meeres über die japanische Inselgruppe gestartet, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Es handelt sich laut Angaben des südkoreanischen Militärs um Nordkoreas ersten Start einer Mittelstreckenrakete seit mehr als acht Monaten.

          Demnach wurde die Rakete in der nördlichen nordkoreanischen Provinz Jagang nahe der Grenze zu China gestartet. Die Rakete erreichte ersten Schätzungen zufolge eine Distanz von 4500 Kilometern und eine maximale Flughöhe von rund 970 Kilometern.

          Der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol sprach von einer „rücksichtslosen“ Provokation und rief dazu auf, „entsprechende Maßnahmen“ zu ergreifen, wie Yonhap berichtete. Japans Regierungschef Fumio Kishida nannte Nordkoreas Raketentest „ungeheuerlich“. Kabinettschef Hirokazu Matsuno sprach zudem von einer „unmittelbaren Bedrohung“ für die Region und die Weltgemeinschaft.

          Raketenalarm im Norden Japans

          Es war das erste Mal seit knapp fünf Jahren, dass wieder eine nordkoreanische Rakete über die japanische Inselgruppe geflogen ist. Die Rakete landete nach japanischen Angaben rund 3000 Kilometer östlich von Japan im Pazifischen Ozean. Laut Angaben von Japans Verteidigungsminister Yasukazu Hamada handelt es sich um die weiteste horizontalen Entfernung einer Rakete Nordkoreas.

          Der Start löste einen seltenen öffentlichen Raketenalarm aus, der die Bewohner der nordjapanischen Insel Hokaido und der Präfektur Aomori an der Nordspitze der japanischen Hauptinsel Honshu mit Warnmeldungen aufforderte, Schutz in ihren Häusern zu suchen, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

          UN-Resolutionen untersagen Nordkorea die Erprobung von ballistischen Raketen jeglicher Reichweite, die je nach Bauart auch einen Atomsprengkopf befördern können. Zuletzt hatte Nordkorea am Samstag zwei ballistische Kurzstreckenraketen getestet – das war der vierte Raketenabschuss innerhalb einer Woche.

          Reaktion auf Manöver der USA und Südkoreas?

          Die zuletzt gehäuften Raketentests Nordkoreas werden von Experten auch als Reaktion auf die kürzlich abgehaltenen Seemanöver südkoreanischer und US-amerikanischer Streitkräfte gewertet. An den viertägigen Marineübungen hatte auch der Flugzeugträger „USS Ronald Reagan“ teilgenommen. Es war die erste Entsendung eines US-Flugzeugträgers nach Südkorea seit fast vier Jahren.

          Nordkorea wirft den USA regelmäßig vor, durch ihre Militärmanöver mit Südkorea einen Angriff vorzubereiten – was von beiden Ländern bestritten wird. Die Spannungen in der Region haben nach einer Reihe von Tests mit atomwaffenfähigen Raketen durch Nordkorea in diesem Jahr deutlich zugenommen. Zudem soll das Land Berichten zufolge den Abschuss einer ballistischen U-Boot-Rakete sowie möglicherweise auch seinen ersten Atomtest seit 2017 vorbereiten.

          Das Parlament in Nordkorea hatte Anfang September zudem ein Gesetz zur staatlichen Nuklearpolitik verabschiedet. Dieses sieht unter anderem den Einsatz von Atomwaffen nicht nur bei einem Angriff feindlicher Kräfte, sondern schon bei einem drohenden Angriff auf die Führung in Pjöngjang vor. Das Land ist wegen seines Atomwaffenprogramms harten internationalen Sanktionen unterworfen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klimaaktivisten haben am 15. November 2022 ein Werk Gustav Klimts mit schwarzer Farbe beschmiert, einer klebte seine Hand daran fest.

          Soziale Systeme : Nützliche Radikale

          Schaden radikale Aktionen wie die der „Letzten Generation“ den Zielen einer Bewegung? Soziologen haben das untersucht und sind zu einem überraschenden Ergebnis gekommen.
          Bald wieder ohne Maske? Medizinischer Mitarbeiter in Schanghai

          Schlechte Wirtschaftsdaten : China knickt ein

          Nun brechen auch noch die Exporte unter den Lockdowns ein – panisch läutet Chinas Führung das Ende von „Null Covid“ ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.