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Nach Raketenexplosion : Radioaktivität im Norden Russlands drastisch erhöht

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Dieses Bild des russischen Atomkonzerns Rosatom zeigt die in Sarow abgehaltene Trauerzeremonie für die tödlich verunglückten Mitarbeiter. Bild: AP

Also doch: Nach dem Unfall auf einem russischen Militärgelände wird in der nahegelegenen Stadt Sewerodwinsk deutlich mehr Radioaktivität gemessen. Die Todesopfer wurden in einer Zeremonie als „Helden“ geehrt.

          Nach der Explosion auf einem russischen Raketen-Testgelände vor knapp einer Woche hat sich die Radioaktivität in der nahe gelegenen Stadt Sewerodwinsk nach Behördenangaben drastisch erhöht. Die Strahlung in der Stadt im Norden des Landes sei an dem Tag um das Vier- bis Sechszehnfache gestiegen, berichtete am Dienstag die Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die staatliche Wetter-Behörde.

          Das Verteidigungsministerium in Moskau hatte nach der Explosion am Donnerstag mitgeteilt, die Strahlungswerte seien unverändert geblieben. Die Behörden von Sewerodwinsk hatten jedoch mitgeteilt, es sei vorübergehend mehr Radioaktivität gemessen worden. Greenpeace zufolge war die Strahlung sogar um das Zwanzigfache gestiegen.

          In der Stadt befindet sich eine Werft, in der Atom-U-Boote gebaut werden. Die Informationen darüber, was auf dem Testgelände passiert ist, sind spärlich. Die russische Atombehörde Rosatom hatte am Montag in einer Erklärung bestätigt, dass die fünf ums Leben gekommenen Rosatom-Rüstungsfachleute an „neuen Waffen“ arbeiteten. Allerdings nannte Rosatom weiterhin nicht den konkreten Waffentyp.

          Amerikanische Fachleute hatten am Wochenende die Ansicht vertreten, es habe sich um eine atomar betriebene Rakete vom Typ 9M730 Burewestnik gehandelt. Diese Rakete wurde im Februar erstmals von Präsident Wladimir Putin vorgestellt, der sie als „unbezwingbar“ und für die gegnerische Luftabwehr „nicht aufzuspüren“ bezeichnete. Im Nato-Jargon werden die Raketen vom Typ Burewestnik („Sturmvogel“) auch als SSC-X-9 Skyfall bezeichnet.

          Für die umgekommenen Rüstungsfachleute wurde am Montag in der Stadt Sarow, die fast vollständig von der Öffentlichkeit abgeschirmt ist, eine Trauerzeremonie abgehalten. Der frühere Rosatom-Chef Sergej Kirienko würdigte die tödlich Verunglückten als „wahre Helden“. Rosatom kündigte an, die Arbeiten an den „neuen Waffen“ würden „in jedem Fall zu Ende geführt“.

          Das Unglück ereignete sich am Donnerstag auf einer Plattform im Meer auf dem Testgelände Nyonoska, das rund 30 Kilometer von der Stadt Sewerodwinsk entfernt ist. Aber erst am Samstag hatten die Moskauer Behörden den atomaren Charakter des Unglücks zugegeben. Rosatom teilte mit, seine Beschäftigten seien damit beauftragt gewesen, die „isotopische Energiequelle“ für eine Rakete zu betreiben, die auf der Plattform getestet wurde.

          Anfang Juli hatte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow die Hintergründe eines verheerenden Brandes an Bord eines russischen U-Boots zum „Staatsgeheimnis“ erklärt, bei dem 14 Marine-Soldaten ums Leben gekommen waren. Der Brand wurde nach Angaben des Verteidigungsministeriums unter Kontrolle gebracht, bevor der Atomreaktor des U-Boots beschädigt wurde.

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