https://www.faz.net/-gpf-9oxy0

Klage von Sea-Watch-Kapitänin : Rackete wirft Salvini Anstiftung zu Verbrechen vor

  • Aktualisiert am

Carola Rackete will Klage gegen den italienischen Innenminister und Chef der rechten Lega-Partei Salvini einreichen. Bild: Reuters

Kriminell, verwöhnt und eine Komplizin von Schleppern sei sie: Italiens Innenminister Matteo Salvini nutzt Twitter, um seiner Wut über Carola Rackete Ausdruck zu verleihen. Dem will die Sea-Watch-Kapitänin ein Ende bereiten.

          2 Min.

          Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete will Italiens Innenminister Matteo Salvini an seiner Nutzung von Facebook und Twitter hindern. Die 31-Jährige beschuldigt Salvini in einer Verleumdungsklage, Menschen in sozialen Medien zum Hass anzustacheln, wie es in der Klageschrift heißt, die bei der Staatsanwaltschaft in Rom eingereicht werden soll und der Deutschen Presse-Agentur in Rom vorliegt. „In den Worten von Matteo Salvini gibt es abgrundtiefe Gefühle von Hass, Verunglimpfung, Delegitimierung bis hin zu leibhaftiger Entmenschlichung“, heißt es darin.

          Der Chef der rechten Lega machte sich am Donnerstag prompt darüber lustig. „Die deutsche Kommunistin, die, die das Boot der Finanzpolizei gerammt hat, hat die Staatsanwaltschaft aufgefordert, meine Seiten auf Facebook und Twitter zu sperren. Es gibt keine Grenze der Lächerlichkeit. Kann ich also Instagram benutzen???“

          Eingereicht worden sei die Klage noch nicht, weil es Probleme mit der Post gegeben habe, sagte Racketes Verteidiger Alessandro Gamberini am Donnerstag. Rackete steht seit Wochen in den Schlagzeilen, weil sie im Ende Juni das Rettungsschiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit Migranten an Bord unerlaubt nach Italien gefahren hatte. Gegen die 31-Jährige aus Niedersachsen wird in Italien unter anderem wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung ermittelt.

          Eine „Botschaft des Hasses“ in den sozialen Medien

          Salvini kommentierte die Ereignisse um die „Sea-Watch 3“ seit der Rettung von insgesamt 53 Migranten Mitte Juni vor Libyen in den Medien und auf seinen Accounts bei Twitter und Facebook. In Tweets und Live-Videos griff er Rackete mehrfach direkt an und bezeichnete sie unter anderem als „reiche und verwöhnte deutsche Kommunistin“, „Gesetzlose“ und „Kriminelle“ und beschuldigte sie der versuchten Tötung. Die Verleumdungsklage dokumentiert die Äußerungen Salvinis ausführlich.

          Salvini verbreite auf Twitter und Facebook eine „Botschaft des Hasses“ und nutze dafür sein Amt, heißt es in der Klage weiter. Mit seinen Äußerungen habe Salvini wiederum „unzählige“ weitere Äußerungen ausgelöst – zum Beispiel sei Rackete von dessen Followern als „deutsche Hure“ oder „verdorbene Nutte“ bezeichnet worden. Kommentiert worden sei auch: „Betoniert sie ein“.

          Salvinis Aussagen seien „weit davon entfernt, Äußerungen legitimer Kritik“ zu sein, vielmehr habe es sich dabei um „grundlose und beleidigende Aggressionen gegen meine Person“ gehandelt, heißt es in der Klage. Seit Wochen betreibe er zudem eine „Hetzkampagne“ gegen Sea-Watch, die Salvini als „illegale und gesetzlose Organisation“ bezeichnete, die „illegale Migranten“ von Bord eines „illegalen Schiffs“, eines „Piratenschiffs“, eines „gesetzlosen Schiffs“ gehen lasse und deren Mitglieder „Komplizen von Schleppern und Menschenhändlern“ seien.

          Racketes Verteidiger Gamberini hatte schon bei der Ankündigung der Klage in einem Interview gesagt, dass es schwierig sei, dem Hass entgegenzutreten. Man wolle aber ein Zeichen setzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ärgert sich über Thüringens Ruf als deutsches Niedriglohnland. Er fordert mehr Geld für die Industriearbeiter.

          SPD-Spitzenkandidat : „Thüringen hat zu niedrige Löhne“

          Den thüringischen Wirtschaftsminister und SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Tiefensee stört, dass seine Heimat als deutsches Niedriglohnland gilt. An die Unternehmen appelliert er: Behandelt eure Mitarbeiter endlich besser.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.