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Queen Elizabeth in Irland : Stolz und Tränen

Queen Elizabeth in Grün am Mahnmal für die irischen Freiheitskämpfer Bild: dpa

Der Staatsbesuch der britischen Königin in Irland ist bis ins letzte Detail geplant. Voller Selbstbewusstsein empfangen die Iren das Oberhaupt der einstigen „Besatzungsmacht“.

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          Die Königin landet in der Mittagsstunde, als im Nachrichtenkanal des irischen Radios gerade die Sendung „der Money-Doctor“ läuft – ein beliebter Ratgeberfunk über Geldsorgen und Anlageschwierigkeiten. Doch kaum ist die Hörerfrage gestellt, ob es wegen der anhaltenden irischen Krise wohl ratsam sei, ein Konto in der Schweiz zu eröffnen, da muss der Studioexperte in seiner Antwort unterbrochen werden: Elisabeth II. fährt eben vor dem Palast der Staatspräsidentin Mary McAleese vor, und die Regie schaltet aus der bedrückenden Gegenwart rasch in die Geschichte um.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die britische Königin hat in ihren 59 Regierungsjahren an die 200 offiziellen Besuche und Staatsbesuche unternommen, viele in ihren eigenen anderen Königreichen außerhalb Britanniens (am häufigsten in Australien oder Kanada), viele in den Ländern des Commonwealth, den einstigen Kolonien des Empire, und ebenso viele in anderen Ausländern, in jüngerer Zeit beispielsweise in den kleinen wiedererstandenen europäischen Nationen, in Estland und Lettland, in Slowenien und der Slowakei. Nur in Dublin, in der irischen Republik, war sie noch nie – dabei ist dies doch der einzige Staat, mit dem Großbritannien „eine Landgrenze teilt“, wie es jetzt in vielen Kommentaren anlässlich des Staatsbesuches heißt, um das Merkwürdige dieser Reise zu illustrieren.

          Dabei liegt das Heikle ja gerade in dieser nachbarschaftlichen Nähe. Aus der Sicht vieler nationalstolzer Iren ist ihre Insel die erste Kolonie der Engländer gewesen (nach normannischer Eroberung im 12. Jahrhundert) – und dazu noch die am ärgsten misshandelte, durch blutige Unterwerfungen in der Zeit der Tudors und Oliver Cromwells, durch Vernachlässigung in der frühen Regentschaft Königin Viktorias, als „der irische Hunger“ ganze Landstriche der Insel zum Sterben oder zur Auswanderung verurteilte. Dann folgte ein jahrzehntelanger Kampf um die Unabhängigkeit, der 1921 schließlich zur Teilung der Insel führte – sechs mehrheitlich protestantische Grafschaften im Norden wollten unter der britischen Krone bleiben. Das war ein Kompromiss, der seinerseits neuen Hass, Terror und Unterdrückung erzeugte – und der erst in den vergangenen 13 Jahren mit viel Geduld und Engagement der Regierungen in Dublin, London und der beiden politischen Lager in Belfast in ein haltbares Friedensabkommen übersetzt worden ist.

          Die Königin mit ihrem Mann, Prinz Philip, in Dublin
          Die Königin mit ihrem Mann, Prinz Philip, in Dublin : Bild: AFP

          Vom ersten Schritt an sind die Stationen, an denen die britische Monarchin auf ihrer irischen Visite hält, mit Bedeutung getränkt; das fängt schon mit der offiziellen Begrüßung an, oder noch früher, gleich als sie bei der Ankunft aus dem Flugzeug klettert. Die Königin erscheint in grünem Hut und grünem Mantel – und es gibt niemanden im irischen Begrüßungskomitee auf dem Rollfeld oder unter den Fernsehzuschauern im ganzen Land, der das nicht als freundschaftliche Geste versteht: Sie trägt grün, die irische Farbe.

          Mittagessen in der früheren Residenz des britischen Vizekönigs

          Gleich darauf der Präsidentenpalast, ein eher schlichtweißer klassizistischer Bau im Dubliner Westen. Hier, wo die Queen jetzt von der irischen Staatschefin zum Mittagessen empfangen wird, wäre sie einst selber Hausherrin gewesen: Der Bau diente früher als Residenz des britischen Vizekönigs. Dann die erste Kranzniederlegung im „Garten der Erinnerung“, einer Denkmalanlage, die an die toten irischen Freiheitskämpfer erinnert. Dort wartet wieder ein Gemütsmoment für die wenigen Augenzeugen (wegen der drastischen Sicherheitsvorkehrungen) und die vielen Zuhörer und Zuschauer des irischen Rundfunks: Der Architekt, der in den sechziger Jahren den Erinnerungsgarten auf einem schmalen Grundstück im Dubliner Norden entwarf, sah einen abgesenkten Teich in der Form eines Kreuzes vor, eine erhöhte Tribüne – und dazwischen viele Treppen.

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