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Qatar in der Krise : Ein Land steht hinter seinem Emir

Der arabische Che Guevara: Das Abbild des Emirs Tamim bin Hamad Al Thani. Bild: Reuters

Die Qataris reagieren auf die Isolation ihres Landes mit selbstbewusstem Trotz. Doch die Krise ist für das kleine Land am Golf gefährlich. Für den Herrscher ist sie ein wichtiger Test.

          7 Min.

          Der Emir ist überall. Auf den Heckscheiben der Autos, den Schutzhüllen der Mobiltelefone, auf Schirmmützen und T-Shirts, auf Fähnchen, die in den Gassen des alten Basars hängen. Sein Bild überdeckt gläserne Hochhausfassaden. Es ist nicht so, dass man in Qatar zuvor sehr lange hätte suchen müssen, um auf das Konterfei von Tamim bin Hamad Al Thani zu treffen. Doch dieser Tage, da das Land mit Krise und Blockade konfrontiert ist, gehen die Sympathiebekundungen für den Herrscher und der Nationalstolz weit über das übliche Maß hinaus. Das allgegenwärtige Bild des Emirs ist anders als die üblichen Porträts, von denen die arabischen Monarchen ihren Untertanen erhaben entgegenblicken. Es ist ein Pop-Art-Schattenriss, dessen Machart an das Che-Guevara-Porträt erinnert, das in den sechziger Jahren Karriere machte. Es ist das Emblem für eine qatarische Rebellion gegen mächtige Nachbarn.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          „Ich hätte niemals gedacht, dass das Bild so populär werden würde“, sagt Ahmed Madsched al Maadhid, der junge qatarische Künstler, der es angefertigt hat. „Als ich die Nachricht von der Blockade und die Lügen über meinen Emir hörte, war ich wütend“, sagt er. Spontan habe er den Monarchen auf Leinwand gebannt. „Tamim der Glorreiche“, hat er darunter geschrieben. „Ich habe bloß meine Gefühle ausgedrückt“, sagt Maadhid. Er hat offenbar einen Nerv getroffen.

          Qataris stellen sich hinter den Emir

          Womöglich haben Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrein und Ägypten nicht damit gerechnet, dass so viele Qataris wie Ahmed Maadhid reagieren würden, als sie vor etwa vier Wochen ihre gut orchestrierte Kampagne ohne Vorwarnung starteten. Sie schlossen ihre Grenzen, sperrten den Luftraum, verwiesen qatarische Bürger ihrer Länder, riefen die eigenen Bürger aus Qatar zurück. Die Vierer-Allianz wirft dem Emirat vor, Terrorismus zu unterstützen, und hat Forderungen gestellt, die nicht nur die Führung in Doha als unannehmbar bezeichnet: Qatar soll unter anderem den Sender Al Dschazira schließen, ebenso eine türkische Luftwaffenbasis. Das Land solle seine diplomatischen Beziehungen zu Iran ebenso herunterfahren wie die Unterstützung für die islamistische Muslimbruderschaft, verlangen sie. Sie fordern nicht weniger als einen Kotau.

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          Dschaber Harami, ein qatarischer Journalist, vergleicht die Blockadeoperation mit „Razzien in Polizeistaaten“, die auch immer im Morgengrauen stattfänden, um die Delinquenten zu überrumpeln. „Sie wollen die Regierung auswechseln“, glaubt er. Auch andere Qataris argwöhnen wie Harami, es sei Riad und Abu Dhabi darum gegangen, ihrem Land durch die harte Kampagne einen Schock zu versetzen, der helfen solle, einen Machtwechsel zu erzwingen.

          Auf dass das Emirat ein gefügiger Vasall werde. „Aber wir wollen nicht zu einem zweiten Bahrein werden“, heißt es immer wieder trotzig. Diplomaten und neutrale politische Beobachter halten diese Theorie zumindest nicht für völlig abwegig. „Vielleicht wollte das Quartett auch einen solchen Eindruck erwecken, um Unzufriedenheit und Spannungen im Inneren zu erzeugen und so den Druck auf Doha zu erhöhen“, heißt es etwa. Aber was auch immer Riad und Abu Dhabi bezwecken wollen: Die aufgebrachten Qataris haben sich hinter ihren Emir gestellt. Das Land hat sich den Schrecken aus den Gliedern geschüttelt und will nicht klein beigeben.

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