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Putschversuch im Tschad : Rebellen erobern die Hauptstadt

  • Aktualisiert am

Seit Jahren in Angst vor Umsturzversuchen: Präsident Idriss Deby Itno Bild: AP

Bis zu 1.500 Rebellen sind im Tschad in die Hauptstadt N'Djamena eingerückt. Dort lieferten sie sich nach Angaben eines französischen Militärsprechers Gefechte mit Regierungstruppen. Der Staatspräsident hat sich offenbar im Präsidentenpalast verschanzt.

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          Bewaffnete Rebellen haben am Samstag die Hauptstadt des Tschad eingenommen. „Die ganze Stadt ist in der Hand der Rebellen“, hieß es von Seiten des Militärs in N'Djamena. Nach dreistündigen Gefechten mit den Regierungstruppen gebe es nur noch vereinzelte Kämpfe. Präsident Idriss Deby Itno hielt sich demnach im Präsidentenpalast auf. Mehr als 600 französische Staatsbürger wurden auf eine Evakuierung vorbereitet. Die Afrikanische Union verurteilte die Angriffe gegen die tschadische Regierung auf das Schärfste und beauftragte Libyens Staatschef Muammar el Gaddafi und dessen kongolesischen Kollegen Denis Sassou Nguesso, in dem Konflikt zu vermitteln.

          „Debys Truppen lösen sich auf. Er (Deby) wird heute gestürzt, das ist sicher“, sagte Abakar Tollimi, ein Anführer der drei größten tschadischen Rebellengruppen, die sich Mitte Dezember zusammengeschlossen hatten. Nach französischen Militärangaben rückten rund 2000 Rebellen in drei Kolonnen auf die Hauptstadt vor, ausgerüstet mit Maschinengewehren, Raketenwerfern und Sturmgewehren.

          Rebellen hatten Ultimatum gestellt

          Seit die EU am Montag die seit Monaten geplante Schutztruppe Eufor gebilligt hatte, hatten sich die Rebellen aus dem 800 Kilometer entfernten Sudan in rund 300 Geländewagen und Truppentransportern auf den Weg in die tschadische Hauptstadt gemacht. Am Freitag stellten sich ihnen rund 50 Kilometer nordöstlich von N'Djamena erstmals Regierungstruppen mit dem Staatspräsidenten Deby an der Spitze in den Weg. Am Donnerstag hatten die Rebellen dem Staatschef ein Ultimatum gestellt: Sollten bis Freitag keine Gespräche über eine Machtteilung zustandekommen, gebe es Krieg.

          Die EU setzte die Entsendung weiterer Soldaten für ihre Schutztruppe wegen der Kämpfe vorerst aus. Die Verlegung der rund 3. 700 Soldaten aus 14 Ländern sollte Anfang Februar beginnen, so dass die EUFOR-Truppe spätestens im Juni voll einsatzfähig ist. Die von Irland geführte Truppe soll hunderttausende Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur schützen. Wegen fehlender Soldaten und mangelnder Ausrüstung war der ursprünglich für November geplante Einsatz mehrfach verschoben worden. Die Regierung des Tschad und mehrere Experten vermuten, dass der Sudan hinter den Angriffen auf N'Djamena steht, um die Stationierung der Eufor zu behindern.

          Frankreich hat mehr als 1100 Soldaten im Tschad

          Die Angriffe und das daraus resultierende Blutvergießen müssten ein sofortiges Ende haben, hieß es in der Abschlusserklärung des AU-Gipfels in Addis Abeba. Gaddafi und Nguesso sollten sich um eine Lösung der Krise bemühen.

          Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy telefonierte nach Angaben seines Sprechers ausführlich mit seinem tschadischen Kollegen. Der Generalstab in Paris teilte mit, 150 zusätzliche französische Soldaten seien am Morgen in Libreville eingetroffen. Frankreich, bis 1960 Kolonialmacht im Tschad, hat regulär mehr als 1100 Soldaten in dem zentralafrikanischen Land stationiert.

          Mehr als 600 französische Staatsangehörige wurden auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet. Nach Angaben eines Botschaftssprechers gab es seit Mitternacht drei Anlaufstellen für Ausreisewillige. In dem zentralafrikanischen Staat leben rund 1500 Franzosen, der überwiegende Teil von ihnen in der Hauptstadt. Sarkozy beriet am Freitagabend in einem Krisentreffen mit seinem Außenminister Bernard Kouchner, Verteidigungsminister Hervé Morin und dem Generalstabschef im Elysée-Palast über die Situation.

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