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Burkina Faso : Der Putsch eines Fachmanns für Terror

Demonstranten in Ouagadougou feiern Putschistenführer Paul-Henri Sandaogo Damiba. Bild: AFP

In Burkina Faso hat das Militär die Macht übernommen. Der Putschistenführer hat viel Erfahrung im Kampf gegen den Terrorismus, unter dem das Land so leidet.

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          In Burkina Faso hat das Militär die Macht übernommen. Wie ein Leutnant am späten Montagabend im Staatsfernsehen bekannt gab, wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt. Außerdem wurden die Regierung und das Parlament aufgelöst sowie die Landesgrenzen geschlossen. Die Mitteilung stammt von einer bisher unbekannten Gruppe, die sich „Patriotische Bewegung für Rettung und Wiederherstellung“ (MPSR) nennt. Ihr Anführer ist Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba, der nun wohl auch die Staatsführung übernimmt. „MPSR hat entschieden, die Amtszeit von Präsident Roch Marc Kaboré zu beenden“, hieß es in der Mitteilung.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Am Dienstag tauchte in den sozialen Medien ein handgeschriebener, mit Kaborés Namen unterzeichneter Brief auf. Darin gibt er seinen Rücktritt im „besten Interesse der Nation“ bekannt. Auf seinem Twitter-Profil hingegen war zuletzt die Aufforderung zu lesen, „die Waffen im höchsten Interesse der Nation niederzulegen. Wir müssen unsere Widersprüche durch Dialog und Zuhören lösen.“ Wie der Informationsdienst Africa Intelligence schrieb, hatte die französische Regierung einen Putsch seit Monaten erwartet und dem Präsidenten am Sonntag sogar  angeboten, ihn außer Landes zu schaffen.

          Kaboré an unbekannten Ort gebracht

          Kaboré wurde dann am Sonntagabend nach heftigen Schusswechseln in der Hauptstadt Ouagadougou von Soldaten festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Der Putsch wurde von den Vereinten Nationen, der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas, der EU und mehreren westlichen Regierungen verurteilt. Sie forderten die Freilassung des Präsidenten.

          In Ouagadougou feierten am Dienstag mehr als 1000 Menschen die Machtübernahme auf den Straßen. In den vergangenen Monaten hatte sich die Unzufriedenheit über die Regierung und die katastrophale Sicherheitslage verschärft. Seit sieben Jahren wird Burkina Faso von Anschlägen islamistischer Terroristen und anderer Gruppen erschüttert.

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          Nach immer neuen Protesten gegen die Regierung waren im vergangenen Jahr bereits der Ministerpräsident und das Kabinett zurückgetreten. Als Terroristen im November eine Militärbasis angriffen, band Kaboré ranghohe Mitglieder der aufgelösten Präsidentengarde seines Vorgängers Blaise Compaoré stärker ein. Zu ihnen gehörte auch Putschistenführer Damiba. Er war zuletzt für die Sicherheit in der Hauptstadt zuständig.

          Der 41 Jahre alte Damiba ist Absolvent der Pariser Ecole Militaire und hat in der französischen Hauptstadt zudem einen Master in Kriminalwissenschaften erworben. Er hat jahrelange Erfahrung im Kampf gegen Terroristen, arbeitete eng mit dem bekannten Terrorfachmann Alain Bauer zusammen. Über seine Erkenntnisse schrieb er ein Buch mit dem Titel „Westafrikanische Armeen und Terrorismus“. Darin widmet er sich dem Widerspruch zwischen dem immer stärkeren militärischen Engagement in der Region und dem weiteren Vorpreschen von Terroristen.

          Die Bewegung MPSR versprach die Rückkehr zu einer verfassungsgemäßen Ordnung. In einer „angemessenen Zeit, nach Beratungen mit mehreren Teilen der Nation“ werde man einen Zeitplan vorlegen.

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