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Till Fähnders (fäh.)

Putsch in Burma : Comeback der Generäle

  • -Aktualisiert am

Aung San Suu Kyi ist auf einer Aufnahme von 2016 mit zwei hochrangigen burmesischen Militärs zu sehen. Bild: Aung Shine/AP

Im Handstreich übernimmt in Burma wieder das Militär die Macht. Noch ist unklar, wie es nach dem Putsch weitergeht. Aber er scheint schon jetzt wie ein Schritt in die dunkle Vergangenheit.

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          Spätestens seit am Montagmorgen das Militär in Burma wieder die Macht an sich gerissen hat, ist klar, dass es im echten Leben keine Märchen gibt. Nach rund fünf Jahrzehnten Militärdiktatur hatten die Generäle das Land vor einer Dekade plötzlich aus eigenem Antrieb der Welt geöffnet und den Menschen scheinbar einfach so die Freiheit geschenkt.

          Ihre schärfste Gegnerin, die grazile Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, entließen sie aus dem Hausarrest. Sie wurde schließlich sogar an die Spitze einer Zivilregierung gewählt. Jedoch hatten die Generäle offenbar nie wirklich vorgehabt, sich ganz aus dem Bild zu verabschieden. Nun, da sie merken, dass die Zivilmacht immer stärker wird, drängen sie wieder in den Vordergrund.

          Es wäre möglich, in dieser Situation nach Schuldigen zu suchen. So könnte es bei der Wahl im November tatsächlich nicht zu 100 Prozent sauber abgelaufen sein. In einem der ärmsten Länder der Welt, in dem immer noch viele Menschen kaum lesen und schreiben können, würde ein makellos geführtes Wählerregister wohl eher überraschen. Womöglich haben auch Aung San Suu Kyi und ihre Regierung es etwas zu weit getrieben, als sie die Wahlkommission mit Verbündeten besetzten. Aufgrund der Pandemie konnten auch keine Wahlbeobachter durch das Land reisen. Doch ein millionenfacher Betrug, wie vom Militär behauptet, dürfte es kaum gewesen sein.

          Man könnte die Schuld auch bei der internationalen Gemeinschaft suchen, die Burma wegen der Rohingya den Rücken zukehrte, nachdem sie das Land zunächst hochgejubelt hatte. Aber niemand möchte sich indirekt eines Verbrechens mitschuldig machen, das nach weit verbreiteter Einschätzung den Tatbestand des Völkermords erfüllt.

          Auch bei Aung San Suu Kyi, der oft vorgeworfen wird, halsstarrig und beratungsresistent zu sein, könnte eine Mitschuld gesucht werden. War es ein Fehler, sich selbst über die Regierung zu setzen, obwohl die von dem Militär gebaute Verfassung extra einen Passus enthält, der jemandem wie ihr den Zugang zur Präsidentschaft verwehrt? Oder war sie andersherum viel zu sehr zu Kompromissen mit dem Militär bereit?    

          Doch nein, die Verantwortung liegt allein bei den Generälen, die sich einfach nicht auf eine Position zurückziehen wollten, die in einem modernen und demokratischen Staat angemessen wäre. Sie dürften in der Pandemie eine einmalig günstige Gelegenheit gesehen haben. Kein Journalist kann aus dem Ausland einreisen. Auch im Land selbst ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Mit der Abschaltung vieler gängiger Informationskanäle erscheint das Ganze nun fast wie eine Reise zurück in die düstere Vergangenheit: Burma, das schwarze Funkloch in Südostasien. Dabei ist noch unklar, wie die Reise nach dem Putsch in der Retortenhauptstadt Naypyidaw weitergeht. Aber die Erfahrung lehrt, dass der Weg zurück nach einem solchen Schritt eher länger wird.

          Burma oder Myanmar?

          Bislang benutzte die F.A.Z. den Ländernamen „Burma“ und nicht „Myanmar“, eine englischsprachige Bezeichnung, welche das damalige Militärregime im Jahr 1989 ohne Einbeziehung des Volkes verordnet hatte. In der britischen Kolonialzeit war „Burma“ der offizielle englische Landesname. Er leitet sich von der umgangssprachlichen Bezeichnung „Bama“ ab, die in der Landessprache bis heute gleichbedeutend mit „Myanma“ benutzt wird, der durchgehend verwendeten Aussprache des Landesnamens. Trotz seiner kolonialen Herkunft bevorzugte die Demokratiebewegung um Aung San Suu Kyi den Begriff „Burma“, da sie die Änderung in „Myanmar“ als herrschaftlichen Willkürakt der damaligen Militärdiktatur ansah. Verschiedene Institutionen und Publikationen halten deshalb weiter an dieser Schreibweise fest, darunter das amerikanische Außenministerium. Mittlerweile hat aber auch ein großer Teil der Demokratiebewegung die Bezeichnung im Englischen übernommen. Aus Gründen der Verständlichkeit, des Leserinteresses und der besseren Auffindbarkeit der Artikel im Internet hat sich die F.A.Z. entschieden, auf das gängigere „Myanmar“ umzustellen. Um der Klarheit willen verwenden wir für einen begrenzten Zeitraum die Version „Myanmar (Burma)“.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

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