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Putin im Staatsfernsehen : Der Starke, der Gütige, der Mutige

Wahrer Naturmensch und waschechter Mann: Putin weiß, wie er wahrgenommen werden möchte und unterstreicht dies in dem neuen Sendeformat „Moskau. Kreml. Putin.“ Bild: EPA

Eine neue Sendung im Staatsfernsehen über den Alltag von Wladimir Putin treibt die Glorifizierung seiner Person auf die Spitze. Sie zeigt, wie das russische Staatsoberhaupt gesehen werden will – und sich selbst wahrnimmt.

          4 Min.

          In Russland wissen sogar Bären und Steinböcke, was sie an ihrem Präsidenten haben. Jedenfalls, wenn man dem Staatsfernsehen glauben will, das gerade eine neue Huldigungssendung über Wladimir Putin aufgelegt hat. „Moskau. Kreml. Putin“ wurde am vergangenen Sonntagabend erstmals ausgestrahlt und soll die Russen fortan wöchentlich über den prall gefüllten, schwierigen, gefährlichen Alltag ihres gütigen, verantwortungsbewussten, durchtrainierten Herrschers ins Licht setzen. Moderator ist der in zahlreichen Sendungen erprobte Wladimir Solowjow, dem Tiraden gegen Oppositionelle und den Westen laut Recherchen des Antikorruptionskämpfers Aleksej Nawalnyj eine Luxusvilla am Comer See in Italien eingebracht haben.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Für die erste Ausgabe begleitete die Kamera von „Rossija 1“ Putin unter anderem in die sibirische Republik Tywa an der Grenze zur Mongolei. Man erfährt in der Sendung, dass der Präsident eine Acht-Kilometer-Bergtour unternommen habe, begleitet vom Verteidigungsminister, dem Leiter des Geheimdienstes FSB und dem Republikoberhaupt, das über die Wanderung im Rückblick sagt, ihm täten „jetzt noch die Beine weh“. Die Heldenrolle gebührt Putin, der auf „Exklusivbildern“ in Herrenrunde über die Tour als „Morgengymnastik“ feixt.

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