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Putins Rückhalt : Die Liebe in Zeiten der Sanktionen

Präsident Wladimir Putin hat Rückhalt in der russischen Bevölkerung Bild: dpa

Angesichts von Schuldzuweisungen und Sanktionen des Westens scharen sich die Russen hinter ihre Führung.

          Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem die Russen nicht spüren können, wie sich die Welt von ihnen abwendet. Nicht nur, was Sanktionen gegen Mitglieder ihrer Führung oder russische Unternehmen angeht. Nicht nur, was die Investoren angeht, die ihr Geld aus dem Land abziehen. Auch mit Blick auf Veranstaltungen, die Ausdruck eines harmonischen Miteinanders wären. Eine Sache für Friedenszeiten.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Gerade hat die Regierung in London mitgeteilt, ihre Mitglieder und hohen Beamten würden an keiner Veranstaltung des laufenden britisch-russischen Kulturjahres mehr teilnehmen. In der vergangenen Woche hatte die Regierung in Warschau das polnisch-russische Kulturjahr 2015 abgesagt. In beiden Fällen ist Russlands Vorgehen gegen die Ukraine die Begründung. Die Entfremdung geht noch weiter.

          So wird in der Schweiz darüber diskutiert, russische Piloten von einer Flugshow auszuladen. Der lettische Außenminister berichtete vorige Woche von einer „schwarzen Liste“ von Leuten, welche die Annexion der Krim durch Russland „aggressiv unterstützt“ und sich mehrfach negativ über die Handlungen der ukrainischen Regierung geäußert hätten. Ein erstes Einreiseverbot traf drei russische Sänger, die nicht zu einem Festival namens „Neue Welle“ ins Land kommen durften.

          Die russische Seite reagiert auf solche Schritte mit Ausdrücken des Bedauerns und Schuldzuweisungen. Mit Blick auf die drei in Lettland unerwünschten Sänger zum Beispiel sprach das Außenministerium von einem „unfreundlichen Schritt“, auf den man sich „angemessene Antwortmaßnahmen“ vorbehalte. Auch wurde, am Montag voriger Woche, der lettische Botschafter einbestellt. Am selben Tag beging man zufällig auch den 70. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Syrien. Aus diesem Anlass erklärte das Ministerium seine „tiefe Genugtuung“ über deren „dynamische Entwicklung“.

          Nach dem Abschuss von Flug MH17 liest man in kritischen russischen Wortmeldungen immer häufiger das Wort „Paria“. Es trifft nicht nur Präsident Wladimir Putin, sondern das ganze Land, das sich noch in diesem Frühjahr bei den Olympischen Spielen in Sotschi, den Berichten über Korruption und Umweltzerstörung zum Trotz, als weltoffen und gastfreundlich darstellte.

          Putins Beliebtheit steigt

          Nun heben viele russische Kommentatoren hervor, dass die Schuldzuweisungen und Sanktionen des Westens gegen Russland keine Auswirkungen auf Putins Rückhalt in der Bevölkerung hätten. „Je mehr die ukrainische Krise zu einem vollumfänglichen Krieg eskaliert“, desto höher stiegen Putins Beliebtheitswerte, stellte der Politikwissenschaftler Georgij Bowt fest.

          Putins persönliche Beliebtheit sei auf der Höhe von 83 Prozent, schrieb Bowt unter Berufung auf eine Umfrage des Instituts Gallup. Zudem glaubten 73 Prozent der Russen, dass ihr Land auf dem richtigen Weg sei. 65 Prozent glaubten, sie lebten in einem freien Land, ungefähr dieselbe Prozentzahl glaubte, dass es um die Wirtschaft des Landes besser bestellt sei als im vergangenen Jahr.

          Bowt führte dies einerseits auf die nationale Hochstimmung nach der Krim-Annexion zurück. Andererseits darauf, dass die breite Masse der Russen nicht das Gefühl habe, dass sie die Vielzahl neuer repressiver Gesetze etwa gegen Nichtregierungsorganisationen und Blogger irgendwie betreffe. „Unter der Berücksichtigung von Russlands reicher totalitärer Tradition können die Sanktionen sogar dazu dienen, das Volk gegen die äußere Bedrohung zu einen“, schrieb Bowt. „Je mehr Druck die internationale Gemeinschaft ausübt, desto stärker wird die antiwestliche Stimmung und desto höher steigt Putins Beliebtheit.“

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