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Putins Rückhalt : Die Liebe in Zeiten der Sanktionen

Kraftmeierei kommt an

Nachdem Ramsan Kadyrow, „Oberhaupt“ der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ende voriger Woche auf der EU-Sanktionsliste gelandet war, rächte er sich in einer publikumswirksamen Aktion und setzte unter anderen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und den amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf eine eigene Liste von Leuten, die nicht nach Tschetschenien einreisen dürften und deren (hypothetische) Vermögenswerte dort eingefroren würden.

Derlei Kraftmeierei kommt an in Russland, dessen Bevölkerung, die sich über die Ereignisse in der Ukraine zu 94 Prozent aus dem staatlich kontrollierten Fernsehen informiert, seit langem auf eine Konfrontation mit dem Westen, besonders mit den Vereinigten Staaten, eingeschworen wird. Russland ist für sie Opfer, nicht Aggressor.

Initiative gegen „Agressorland“

Dazu passt die Initiative einer Reihe russischer Duma-Abgeordneter, die - trotz Sommerpause - nun vorgeschlagen haben, in die russische Gesetzgebung den Begriff „Aggressorland“ einzuführen, der Länder betreffen solle, die Sanktionen gegen Russland, seine Bürger oder Unternehmen eingeführt habe. Der Abgeordnete Jewgenij Fjodorow von Putins Partei „Einiges Russland“ nannte schon eine Liste von sechs Unternehmen aus dem angeblichen „Aggressorland“ schlechthin, den Vereinigten Staaten, die Russland mit Sanktionen belegen solle, so die Beratungsfirma McKinsey. Diese hatte Fjodorow, der sich mit Mutmaßungen über angeblich allgegenwärtige amerikanische Spione in Russland einen Namen gemacht hat, schon für das U-Bahn-Unglück in Moskau vor zwei Wochen verantwortlich gemacht.

Man könnte Wortmeldungen wie die von Kadyrow und Fjodorow ignorieren, träfen sie nicht einen Nerv. Laut nun veröffentlichten Umfragen des unabhängigen Lewada-Zentrums sehen 64 Prozent der Russen den Konflikt in der Ukraine als Ergebnis einer „Einmischung des Westens“, nur drei Prozent als Resultat einer „Einmischung Russlands“. Zwei Drittel der Befragten lehnen die vor kurzem verhängten amerikanischen Sanktionen gegen russische Unternehmen wie Rosneft und Gasprombank ab. 58 Prozent beunruhigt die „außenpolitische Isolierung“ Russlands angeblich nicht.

Prominente Unterstützer

Derweil tut die offizielle Seite in Russland weiter so, als wäre alles nicht so schlimm. Nicht nur mit Blick auf die Hinwendung zu den „Brics“, speziell China. Sondern auch mit Blick auf einzelne prominente Vertreter des Westens, die in geradezu anrührender Weise auf den Schild gehoben werden. Ausführlich berichtete der Staatssender Rossija 24 dieser Tage über den amerikanischen Schauspieler David Duchovny, der in der Serie „Akte X“ (1993 bis 2002) gegen Außerirdische, später im Privatleben gegen Sexsucht kämpfte und nun in einem Werbeclip für ein russisches Bier, die „Sibirische Krone“, auftrat.

Der Mann, der vor kurzem noch über Twitter seine ukrainischen Wurzeln entdeckte, geht in dem Werbefilm der Frage nach, wie sein Leben als Russe aussehen würde, und folgert nach Stationen als Ballett-Choreograph, Kosmonaut, Rockstar und Eishockeyspieler: „Als Russe hätte ich viele Dinge, auf die ich stolz sein könnte.“ Dann trinkt er Bier und prostet den Zuschauern zu: „Auf euch!“

Ein weiterer Vertreter des Westens, der, so der Duma-Abgeordnete Igor Sotow von der Partei „Pensionäre für Gerechtigkeit“, „ein Symbol für die Breite der russischen Seele“ sei, ist Gérard Depardieu. Der französische Schauspieler, der Anfang vorigen Jahres vor der Steuerlast seiner Heimat nach Russland floh und dort mit offenen Armen, einem Pass und angeblich auch mehreren Wohnungen willkommen geheißen wurde, solle nun, so Sotow, den Weinanbau auf der Krim auf Vordermann bringen. Eine Reaktion Depardieus stand zunächst aus.

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