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Putins Rücken : Der Körper des Präsidenten

  • -Aktualisiert am

Manchmal tut stehen einfach gut: Putin zuhause am Schreibtisch Bild: AFP

Putin hält seinen Körper eisern fit. Doch seit einigen Wochen bleibt er zuhause. Man spekuliert über eine Sportverletzung, vielleicht beim Segelfliegen mit den Kranichen?

          Von Wladimir Putin weiß man, dass er sportlich ist. Der gerade 60 Jahre alt gewordene russische Präsident lässt keine Gelegenheit aus, seine körperliche Kraft unter Beweis zu stellen. Doch in dieser Woche fragt man sich in Moskau, ob Putin ernstlich krank sein könnte. Seit er Anfang September hinkend beim Apec-Gipfel in Wladiwostok erschien, kocht die Gerüchteküche. Putin hat inzwischen mehrere Auslandsreisen – zum GUS-Gipfel in Aschchabad, in die Türkei, nach Bulgarien und Indien oder zum Dezember-Gipfel der EU und Russlands in Brüssel – verschoben oder abgesagt wurden. Als er in dieser Woche auch noch seine jährliche Livesendung im Staatsfernsehen absagte, bei der er mit Bürgern über deren Sorgen spricht, kam die Frage auf, ob Putin möglicherweise einen Wirbelsäulenschaden davongetragen hat, als er im September als Pilot eines Leichtflugzeuges mit Kranichen über die westsibirische Halbinsel Jamal flog.

          Nach dem Ausflug, so erinnert man sich nun, hatte Putin die sonst übliche Reiselust vermissen lassen, sich in seiner Residenz in Nowo-Ogarjewo verkrochen und hat sich nicht einmal mehr – wie sonst üblich – in seiner schwarzen Limousine durch die Moskauer Innenstadt in den Kreml zur Arbeit fahren lassen. Putin, der den schwarzen Gürtel im Judo erworben hat, hatte seinen trainierten Körper immer wieder zur öffentlichen Imagepflege eingesetzt und damit die russische Frauenwelt entzückt. Umso hämischer fällt nun der Spott für den offenbar verletzten Putin aus: In einigen russischen Zeitungen werden Verlautbarungen aus dem „Krankenbulletin“ Putins inzwischen süffisant mit Hinweisen auf das Gruselkabinett der siechen Greise an der Spitze der sowjetischen Machtpyramide garniert, bevor der stämmige Kosakenabkömmling Michail Gorbatschow 1985 das Ruder übernahm.

          Zuhause, weil er Staus vermeiden wolle

          Putins Sprecher Dmitrij Pjeskow wies die Befürchtungen weit von sich: Putin habe lediglich eine Sportverletzung, eine Muskelüberdehnung, wie sie jeden treffen könne, der wie der Kremlchef nach Art eines Halbprofis jeden Tag Sport treibe. Auslandsbesuche, sagte Pjeskow weiter, hätten ohnehin nur dann Sinn, wenn ein Ergebnis wahrscheinlich sei und danach allein orientiere sich die Terminplanung des Präsidenten. Dass es in den Beziehungen zur EU knirscht, ist in der Tat bekannt – wie die Probleme in den Beziehungen zur Türkei. In Ogarjewo bleibe Putin, meinte der Sprecher, weil das Protokoll seine Anwesenheit im Kreml gegenwärtig nicht erfordere und weil er die von ewigen Staus geplagte Hauptstadt schonen wolle. Putins jährliche Livesendung im Fernsehen, bei der er mit Bürgern spricht, sei nur auf den Sommer verlegt und nicht etwa abgesagt worden.

          Seriöse Politikwissenschaftler nahmen die Dementis, Aufgeregtheiten und Spekulationen wegen Putins Gesundheitszustand dennoch zum Anlass, auf die Gefahren hinzuweisen, die ein patriarchalisches und personifiziertes Herrschaftssystem für die Stabilität eines Landes grundsätzlich berge. Wo Institutionen des Verfassungsstaates nichts zählten, sondern wie in Russland allein ein informelles, auf die Person Putins ausgerichtetes Beziehungsgeflecht, könne der Ausfall des Führers und überall präsenten Strippenziehers zur Katastrophe führen. Aber Aufrufe, die Institutionen endlich wieder in ihre in der Verfassung garantierten Rechte einzusetzen, hatte es zuvor schon zuhauf gegeben. Gehört wurden sie nicht.

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