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Putins Rede : Eine „Botschaft von oben“

Putin macht Vereinigten Staaten neuerlich schwere Vorwürfe

Der folgende Abschnitt seiner Rede widmete sich den Vereinigten Staaten, denen Putin neuerlich schwere Vorwürfe machte. Die „amerikanischen Freunde“ beeinflussten „direkt oder hinter den Kulissen unsere Beziehungen mit den Nachbarn“, sagte er. Manchmal wisse man nicht, mit wem man besser sprechen solle, „mit den Regierungen einiger Staaten oder direkt mit ihren amerikanischen Schutzherren und Sponsoren“. Wieder behauptete Putin, bezüglich des Assoziierungsabkommens der Europäischen Union mit der Ukraine habe es „keinerlei Dialog“ mit Russland gegeben. Dabei hatten in Brüssel durchaus Gespräche stattgefunden. Alsdann fragte Putin, wofür in der Ukraine immer noch „Menschen erschossen und getötet“ würden. Den Minsker Friedensprozess erwähnte er nicht, sprach naturgemäß auch nicht über die offiziell geleugnete Rolle russischer Soldaten in der Ostukraine. Doch benutzte Putin nicht sein Wort „Neurussland“; auch unter russischen Nationalisten herrscht derzeit das Gefühl vor, dass der Kreml dieses Projekt begraben hat. Putin ging am Donnerstag nicht einmal auf die Entwicklung in den sogenannten Volksrepubliken von Donezk und Luhansk ein. Stattdessen hob der Präsident die angeblich milliardenschwere „Unterstützung“ Russlands für die „Wirtschaft der Ukraine“ hervor.

Das Thema „Sanktionen“ gab Putin neuerlich Anlass für Vorwürfe an die Adresse „der USA und ihrer Verbündeten“. Auch ohne den „Krim-Frühling“, sagte Putin, hätten sich diese gewiss „irgendeinen anderen Anlass dafür ausgedacht, um das Wachstum der Möglichkeiten Russlands zu zügeln“. Hier erwähnte Putin nicht, dass die Sanktionen, die Russlands Wirtschaft besonders schmerzen, erst angesichts der Eskalation in der Ostukraine verhängt wurden. Doch machte Putin an dieser Stelle einen weiten Bogen auf: Die „Politik der Eindämmung“ Russlands sei „nicht gestern“ ersonnen worden, sondern „viele, viele Jahre alt“. Putin sagte, trotz Russlands „beispielloser Offenheit“ gegenüber früheren Gegnern „hätten sie uns gerne  nach dem jugoslawischen Szenario des Zerfalls und der Zerstückelung aufgelöst“. Auch die Schuld an den beiden Kriegen Russlands in Tschetschenien gab er dem Westen. „Wir erinnern uns gut daran“, sagte Putin,  „wer und wie“ in den neunziger Jahren und Anfang des vergangenen Jahrzehnts „praktisch offen bei uns Separatismus und sogar direkten Terror unterstützt hat, und die Mörder, die die Arme bis zu den Ellenbogen in Blut hatten, als Aufständische bezeichnet hat“, und diese „auf höchster Ebene empfing“.  Diese Aufständischen erschienen nun wieder in Tschetschenien, sagte Putin, er sei aber sicher, dass die örtlichen Sicherheitskräfte „heute an der Liquidierung des neuerlichen Angriffs der Terroristen arbeiten“. „Wir unterstützen sie“, sagte Putin. Applaus.

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