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Putins Pressekonferenz : Russische Selbsterhaltung

Wladimir Putin macht für die russische Krise äußere Faktoren verantwortlich. Merkt er nicht, wie absurd es klingt, wenn der Führer des größten Landes der Erde so etwas sagt?

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          Der Beginn von Wladimir Putins Pressekonferenz hatte surrealistische Züge: Sich ständig verhaspelnd, trug der russische Präsident eine lange Folge wirtschaftlicher Kennzahlen vor, die von der gewachsenen Industrieproduktion bis zum Haushaltsüberschuss eine nach der anderen zeigen sollten, dass es mit dem Land bergauf geht – und das an einem Tag, an dem mehrere große ausländische Unternehmen den Verkauf ihrer Produkte in Russland wegen der starken Kursschwankungen des Rubels vorübergehend einstellten.

          Trotzdem kann man Putin nicht vorwerfen, er verweigere sich der Realität – gleich darauf stellte er sich ja Fragen nach der realen Lage der Dinge. Das ist bezeichnend für Putins Auftritte seit vielen Jahren: Er ist in der Lage, in einem Atemzug die großartigen Errungenschaften seiner Herrschaft zu rühmen und eine düster-realistische Zustandsbeschreibung seines Landes zu geben.

          Nur einen Zusammenhang zwischen seiner eigenen Tätigkeit und Missständen kann er nie erkennen – weder, wenn es um die misslungene Diversifizierung der russischen Wirtschaft geht, noch, wenn staatliche Medien Äußerungen des Präsidenten zum Anlass nehmen, zur publizistischen Hetzjagd auf Kritiker zu blasen. An der jetzigen Krise seien äußere Faktoren schuld, sagte Putin. Russland bezahle nicht für die Krim, sondern „für seinen Wunsch, sich als Nation, als Zivilisation, als Staat selbst zu erhalten“.

          Merkt er, wie absurd es klingt, wenn der Führer des größten Landes der Erde so etwas sagt – eines Landes, das potentiell ungeheuer reich ist und dessen Geschichte in seiner eigenen Darstellung eine Abfolge glänzender Siege ist?

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

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