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Putins Pressekonferenz : Ganz in seiner Rolle

Gibt sich als kümmernder Landesvater: Putin auf seiner jährlichen Pressekonferenz Bild: EPA

Alle Jahre wieder: Putin lädt Journalisten ein, die ihm die richtigen Stichworte geben. Er präsentiert sich als kümmernder Politiker, der durchgreift. Mit der Situation in Russland hat das jedoch nichts zu tun.

          Jedes Jahr im Dezember hält Russlands Präsident Vladimir Putin eine mehrstündige Pressekonferenz ab, die von mehreren staatlichen Kanälen live übertragen wird. Seit Tagen wurden die Russen von diesen Sendern auf das Großereignis vorbereitet, das Offenheit und Transparenz symbolisieren und gerade den Menschen in den bettelarmen Regionen zeigen soll, dass sie und ihre Probleme – zumindest für ein paar Stunden – beachtet werden.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Die Rolle der Journalisten ist dabei alles andere als würdevoll. Mehr als 1700 sind am Donnerstag in einem Saal im Moskauer Handelszentrums zusammengekommen, einige Ausländer, die allermeisten gehören den staatlich kontrollierten, russischen Medien an. Sie recken Schilder in die Höhe, auf die sie das Thema ihrer Frage oder ihre Heimat geschrieben haben; manche haben sich traditionelle Kostüme oder Hüte angezogen, um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn sich eine Antwort des Präsidenten dem Ende nähert, bricht im Saal Gebrüll aus, bis Putin per Fingerzeig den nächsten Fragesteller ausgewählt hat. Alle Fragen, egal welchen Inhalts, sind aber bloß Stichworte und Steilvorlagen, die dem Präsidenten die Möglichkeit geben, sich als gütiger, verständnisvoller, sein Volk liebender, anpackender Führer zu präsentieren – denn Nachfragen sind nicht möglich. Seine Sicht der Dinge bleibt unhinterfragt. Er streut den ein oder anderen Witz ein, spricht, wie immer, in einfachen, zum Teil umgangssprachlichen Worten.

          Traditionsgemäß beginnt er mit einem kurzen Referat darüber, wie gut sich die russische Wirtschaft in den ersten zehn Monaten dieses Jahres entwickelt habe. Natürlich weiß auch Putin, dass die meisten Russen davon nichts spüren. Diese Bedenken müssen also zu Wort kommen: Ein Journalist des Staatsfernsehens zitiert den früheren Finanzminister und heutigen Leiter des Rechnungshofes, Alexander Kudrin, der als Systemliberaler zwar selbst Teil der Machtstrukturen ist, dort aber in Maßen Kritik üben darf. Kudrin also habe gesagt, dass die russische Wirtschaft schon seit Jahren zu wenig wachse – so könne sich das Land nicht weiterentwickeln. Putin antwortet lächelnd, Kudrin sei sein Kumpel, ein guter Experte, auf den er meistens höre – der Präsident nimmt auch Kritik an, soll das den Zuschauern zeigen. Doch folgt aus ihr nichts: Er wiederholt wie so oft in den vergangenen Jahren, dass sich die Wirtschaft, die fast ausschließlich auf dem Export von Rohstoffen basiert, strukturell verändern müsse, der Staat investiere deshalb massiv in Digitalisierung und Robotertechnologie.

          Auf seiner jährlichen Pressekonferenz: Vladimir Putin

          Manche im Saal dürften bei diesen Worten an einen vor kurzem im Staatsfernsehen gesendeten Beitrag gedacht haben, in dem von einem Jugend-Technikforum berichtet wurde. In dem Film wurde ein Roboter mit dem Namen „Boris“ präsentiert, der vor einem begeisterten Publikum tanzte und sprach. Journalisten fanden allerdings heraus, dass „Boris“ lediglich ein Mensch im Roboterkostüm war, was auf dem Forum offenbar auch bekannt war. Den Fernsehzuschauern wurde dies vorenthalten – der Kanal nahm später den Beitrag von der Internetseite und behauptete, es sei klar gewesen, dass der Roboter nicht echt gewesen sei.

          Kritische Journalisten sind nicht willkommen

          Dass Putins entspannter Umgang mit Kritik nicht für alle die gilt, die ihn tatsächlich kritisieren oder unliebsame Informationen enthüllen, bleibt den Zuschauern ebenfalls verborgen: Der Gründer des Internetmagazins „The Insider“, Roman Dobrochotow, der über die russischen Agenten recherchiert hat, die für den Giftanschlag auf Sergej Skripal verantwortlich gemacht werden, wurde nicht in den Saal gelassen, obwohl er angemeldet war und alle nötigen Dokumente vorweisen konnte.

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