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Krieg in der Ukraine : Putin verteidigt Raketenangriff von Krementschuk

Wladimir Putin am 29. Juni in Ashgabat Bild: AFP

Wladimir Putin suggeriert, in dem am Montag angegriffenen Einkaufszentrum in der Ukraine sei Militärgerät versteckt worden. Allerdings verbreitet der russische Machtapparat widersprüchliche Versionen.

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          Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum der ukrainischen Stadt Krementschuk verteidigt, bei dem am Montagnachmittag mindestens 20 Menschen getötet worden und 60 weitere verletzt worden sind. Dutzende Menschen werden noch vermisst. „Bei uns schießt niemand so einfach aufs Feld“, sagte Putin am Mittwochabend während eines Besuchs in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabad. „In der Regel geschieht das als Ergebnis aufgeklärter Ziele.“ Er, Putin, sei sich sicher, dass der Beschuss auch in diesem Fall auf solcher Grundlage erfolgt sei, und suggerierte, in dem Einkaufszentrum sei Militärgerät „versteckt worden, das besonders der Westen liefert“. „Die russische Armee greift keine zivilen Ziele an – dazu besteht keine Notwendigkeit.“

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Eine dieser Schilderung entsprechende Version des Geschehens war seitens der „Volksrepublik“ von Luhansk, einem von Putin kurz vor dem Überfall auf die Ukraine im Februar als „Staat“ anerkannten prorussischen Gebilde, lanciert worden. Dagegen hatte das russische Verteidigungsministerium eine andere Version verbreitet: Demnach wurden in Krementschuk Lager mit amerikanischen Waffen angegriffen, das Feuer im Einkaufszentrum, das angeblich „außer Betrieb“ gewesen sei, sei durch die Detonation der Munition entstanden. Eine weitere, dem widersprechende Version hatte Russlands stellvertretender Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, Dmitrij Poljanskij, verbreitet, der sagte, dass es sich um eine „Provokation“ durch die ukrainischen Streitkräfte vor dem NATO-Gipfel in Madrid gehandelt habe.

          Bei besonders Aufsehen erregenden Vorfällen mit zahlreichen Toten verbreitet der russischen Machtapparat regelmäßig widersprüchliche Versionen; meist eint sie, dass eine russische Verantwortung rundheraus abgestritten und der Gegenseite alle Schuld zugeschrieben wird, wie im Fall des Abschusses von Flug MH17 vor bald acht Jahren im Donbass oder im Fall der Massaker von Butscha nahe Kiew im vergangenen Frühjahr. Nun ist das russische Rhetorikspektrum um die Option erweitert worden, einen Angriff zwar zuzugeben, aber zugleich zu behaupten, er habe einem kriegswichtigen Ziel gegolten.

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte geäußert, dass in dem Einkaufszentrum „Amstor“ während des Angriffs tausend Menschen gewesen seien. Ein Berater Selenskyjs veröffentlichte Aufnahmen einer Überwachungskamera, die einen Raketeneinschlag zeigen; die Rechercheure des Projekts „Bellingcat“ verorteten die Kamera anhand der Metadaten in unmittelbarer Nachbarschaft des Einkaufszentrums. Sie hoben hervor, dass die Bilder einen direkten Treffer zeigen, dagegen keinen von anderer Stelle übergreifenden Brand und auch keine weiteren Munitionsexplosionen, was gegen die vom russischen Verteidigungsministerium sowie die von der Luhansker „Volksrepublik und nun auch von Putin persönlich verbreiteten Versionen spricht. Zudem ist vielfach dokumentiert, dass das Einkaufszentrum in Wirklichkeit in Betrieb war und nicht geschlossen. Nach ukrainischen Angaben trafen zwei Raketen vom Typ X-22 das Einkaufszentrum. Sie seien von Tu-22-Kampflugzeugen abgefeuert worden, die im westrussischen Gebiet Kaluga gestartet seien.

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