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Putin und Sotschis Raubkatzen : Der Leopardenflüsterer

Putin als Leopardenfreund im Jahr 2014 Bild: Picture-Alliance

Die Wiederansiedlung der seltenen Leoparden nahe Sotschi war ein Prestigeprojekt Putins bei den Winterspielen 2014. Jetzt werden die Tiere endlich ausgewildert, müssen ihren Lebensraum aber mit Touristen teilen.

          6 Min.

          Anfang Februar 2014, kurz vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi, nahm Russlands Präsident Wladimir Putin eine Gruppe von Sportfunktionären mit in die Berge. Man quälte sich die steile Buckelpiste hoch bis auf 800 Meter über dem Meeresspiegel. Es ging darum, zu zeigen, dass die Spiele auch einen Mehrwert für die Umwelt haben würden, allen Berichten über Korruption, abgeholzte Bergwälder, illegale Mülldeponien und Baustellen in Naturschutzgebieten zum Trotz. Einen Mehrwert auf vier Pfoten, mit dunklen Punkten auf hellem Fell: den Persischen Leoparden, von dem hier in einem Aufzucht- und Wiedereinführungszentrum mittlerweile 13 Exemplare leben.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Das sagenumwobene Tier soll in die Gegend zurückkehren, in der seine Vorfahren mit Gift und Gewehren vor neunzig Jahren ausgerottet wurden. „Wir haben beschlossen, die Population des Persischen Leoparden wegen der Olympischen Spiele wiederherzustellen“, sagte Putin seinerzeit. Auch offenbarte er sich als Leopardenversteher. Denn Grom, ein damals sechs Monate junges Tier, dessen Name mit „Donner“ übersetzt wird, kratzte einen der mitreisenden Journalisten und biss einen anderen ins Knie. Fernsehbilder zeigen indes, wie der Präsident den Leoparden lässig tätschelte. „Ich mag Tiere, ich habe ein Gefühl für sie. Wir mögen einander“, sagte Putin.

          Die Population der Leoparden hängt von einem Weibchen ab

          Auf ebendieses Wohlwollen, das Russlands Präsident auch gegenüber Tigern, Kranichen und Walen öffentlichkeitswirksam unter Beweis gestellt hat, zählen nun die Umweltschützer des World Wildlife Fund (WWF). Sie waren vor elf Jahren an der Gründung des Zentrums beteiligt – und sehen nun die Zukunft des Persischen Leoparden im russischen Teil des Kaukasus gefährdet, bevor überhaupt die Wiedereinführung geglückt ist. Schuld daran ist der mögliche Ausbau der Wintersporteinrichtungen in ausgerechnet der Gegend, in der die Persischen Leoparden wieder ihre weiten Kreise ziehen sollen, bis über die Grenze nach Georgien und womöglich bis weiter nach Iran. Doch auch der Wintersport am Schwarzen Meer ist ein eng mit Putin verknüpftes Prestigeprojekt. In diesem russischen Zielkonflikt sind die Leoparden ein Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen geworden.

          Grom, den Putin einst besänftigte, ist längst von Sotschi nach Frankreich verzogen: Er war früh, schon vor dem Besuch des Präsidenten, an Menschen gewöhnt und eignete sich nicht zur Auswilderung. Die Zukunft des Persischen Leoparden in der Gegend ruht nun, neben Putin, auf den schmalen Schultern der drei Jahre alten Viktoria. An diesem Nachmittag schläft sie gerade, ruhig hebt und senkt sich ihr Bauch. Viktoria trägt ein breites Lederhalsband, um sie an den Peilsender zu gewöhnen, den sie bei der Jagd in freier Wildbahn etwa auf Bergziegen, Hirsche und Steinböcke tragen muss. Ständig beobachtet ein Mitarbeiter des Zentrums über Kameras Viktoria und drei weitere Leoparden, die, wenn alles gut läuft, baldmöglichst 60 Kilometer nordöstlich von hier im Kaukasischen Biosphärenreservat freigelassen werden sollen. Ihre Bilder erscheinen auf gut einem Dutzend Monitoren.

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