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Putin und Erdogan : Wider unsere Interessen

Auf Kosten des Westens baut der türkischen Präsident Erdogan die Zusammenarbeit mit Russland aus. Er unterläuft unsere Interessen in zwei Punkten.

          Der russische Präsident Putin besucht die Türkei zu einem Zeitpunkt, an dem die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Nato-Verbündeten Ankaras, und Russland wegen Syrien auf einen neuen Tiefpunkt gesunken sind. Der türkische Präsident Erdogan nimmt den Besuch aber nicht als Chance wahr, auf seinen Gast einzuwirken. Im Gegenteil baut Erdogan auf Kosten des Westens die türkische Zusammenarbeit mit Russland aus.

          Nachdem ein erster Versuch Putins gescheitert war, durch das Schwarze Meer Südosteuropa mit russischem Erdgas zu versorgen und damit von Moskau abhängig zu machen, bietet Erdogan seinem Gast an, nun die Türkei als Transitland für russisches Gas in die EU zu nutzen. Damit will die Türkei nicht zuletzt ihre Hebelkraft gegenüber der EU erhöhen.

          Auch in einem zweiten Punkt unterläuft Erdogan westliche Interessen: Die Türkei lässt Russland in Aleppo freie Hand, im Gegenzug lässt die russische Armee die türkischen Soldaten und Söldner zwischen Aleppo und der Grenze zur Türkei gewähren. Der Einfluss Amerikas schwindet damit dort weiter.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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